Dass man kein Essen wegwerfen soll und Mindesthaltbarkeitsdaten nur als Richtlinie genommen werden können, das ist mittlerweile bei fast allen angekommen. Wenn auch die Umsetzung oft noch schwer fällt, denn sage und schreibe 82 Kilogramm Lebensmittel schmeißt jeder Deutsche pro Jahr in die Tonne, obwohl der Großteil davon noch genießbar gewesen wäre.
Die Verschwendung in privaten Haushalten ist allerdings nur ein Teil des Problems. Ein Großteil der Produkte wird bereits im Laden entsorgt, noch bevor diese überhaupt eingekauft werden. Darum ist es für uns Verbraucher*innen ebenso wichtig, schon beim Einkauf darauf zu achten, potentielle Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.
Diese 5 kleinen Tipps können Dir helfen, Lebensmittel möglichst effizient einzukaufen. Somit kannst Du der Verschwendung im Einzelhandel entgegenwirken und nebenbei auch noch anderen Müll einsparen.

  1. Kaufe nur das, was Du brauchst

Fangen wir mal ganz vorne an! Beim persönlichen Engagement gegen die Lebensmittelverschwendung hilft es, wenn Du nur tatsächlich das kaufst, was Du auch wirklich brauchst. Klingt simpel, ist es dann aber irgendwie doch nicht so oft. Was kann da helfen? Überlege Dir vor dem Einkauf gut, was du essen bzw. kochen willst und beschränke Dich genau darauf. Schau nochmal in Deine Schränke. Wahrscheinlich hast Du auch viele Zutaten noch vorrätig. Lass Dich im Laden dann nicht von vermeintlichen Angeboten locken. „3 zum Preis von 2“ hört sich zwar erstmal toll an, ist aber oft ein Schnäppchen für die Tonne. Wie wäre es deshalb, wenn Du mal wieder eine Einkaufsliste schreibst? Das macht mit Einkaufs-Apps, wie z.B. Bring! oder Out of Milk auch gleich mehr Spaß!

  1. Kaufe Wunderlinge und zum näheren Mindesthaltbarkeitsdatum

„Mindestens haltbar bis“ heißt nicht „tödlich ab“, auch wenn viele Verbraucher das oft noch annehmen und einen großen Bogen um Lebensmittel nahe des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) machen. Dann kaufen wir  lieber das Produkt, das noch zwei Wochen statt zwei Tage haltbar ist. Gleiches gilt für Gemüse und Obst, das vielleicht etwas komisch geformt ist oder nicht die schöne rote Farbe hat. Diese Lebensmittel bleiben daher oft im Regal liegen und werden letztendlich entsorgt. Wenn Du also schon weißt, dass Du ein Produkt zeitnah verwenden wirst, weil du z.B. vorhast, ein bestimmtes Gericht zu kochen, greif das nächste Mal doch gezielt zum fortgeschrittenen Mindesthaltbarkeitsdatum oder zum reifen Obst. So sorgst Du dafür, dass dieses Lebensmittel noch eine gute Verwendung genießt und nicht wenig später in der Tonne landet.

  1. Nutze Verpackungsfreie Läden

Es gibt sie mittlerweile (endlich!) fast in jeder größeren Stadt: Läden, in denen Du verpackungsfrei einkaufen kannst. Das Prinzip ist einfach: Du packst Deine eigenen Behälter, Einmachgläser und Stoffbeutel ein und kannst Dir die Produkte im Laden einfach abfüllen oder abfüllen lassen. Jede*r kann dadurch genau die Menge einkaufen, die er und sie auch brauchen. Dadurch vermeidest Du nicht nur Abfälle, sondern sparst auch noch unzählige Einzelverpackungen ein.
Und auch wenn Du spontan unterwegs bist und gerade kein Behältnis dabei hast: die meisten Läden haben eine Auswahl an kostenlosen Einmachgläsern vor Ort oder bieten sogar einen Lieferservice mit Behälter-Pfandsystem an!

  1. Entdecke Bekannte Läden neu

Verpackungsfreie Läden gibt es nun noch nicht überall und wahrscheinlich kaufst Du auch einfach gerne beim Bäcker und Metzger Deines Vertrauens ein. Das soll aber überhaupt kein Problem sein! Wir vergessen oft, dass wir auch in unseren „normalen“ Läden ganz einfach Verpackungen vermeiden können. Bring das nächste Mal einfach einen eigenen Behälter mit und lass Dir den Käse direkt hinein geben. Oder wie wäre es, wenn Du die Sonntagsbrötchen einfach in Deinem Jutebeutel nach Hause trägst? Das Gleiche gilt für Essensbestellungen, die Du selbst abholst. Die meisten Läden sind es oft schon gewöhnt und geben Dir ihre Produkte gerne in Deinem eigenen Behältnis mit. Trau Dich das nächste Mal und frag einfach nach!

  1. Engagiere Dich und rette Lebensmittel

Hast Du Lust aktiv Lebensmittel vor der Tonne zu retten? Kein Problem! So kannst Du zum Beispiel mit Foodsharing zum Foodsaver werden und in Partnerbetrieben Deiner Stadt regelmäßig „Lebensmittelrettungen“ durchführen – dabei gehst Du zu entsprechenden Einzelhändlern und rettest die aufgrund von kleinen Macken, falsch-etikettierten oder sich zu nahe am MHD befindlichen aussortierten Lebensmittel. Spart nicht nur Lebensmittel, sondern auch Geld! Und wenn Du zu viele hast: einfach an Freunde und Familie weitergeben. Und weitererzählen! Je mehr Menschen die Alternativen im Umgang mit Lebensmitteln aus nächster Nähe kennenlernen, desto mehr Menschen fangen an ihre Gewohnheiten zu ändern.
Bei ShoutOutLoud e.V. machen wir in regelmäßigen Aktionen und mit unserem Resteküche-Foodtruck darauf aufmerksam, wie lecker Essen schmecken kann, das sonst weggeworfen werden würde. Dabei reagieren viele Leute immer wieder überrascht und fragen uns neugierig über Handlungsalternativen und Tipps im Alltag aus.
Du wirst überrascht sein, wie sehr sich auch Dein Handeln auf andere überträgt und sie inspiriert.
Mehr Tipps zum Müll-Vermeiden nach dem Zero-Waste Prinzip kannst Du hier nachlesen.
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Über die Autorin

Helen Keller, 26 Jahre, lebt in Frankfurt und arbeitet im Marketing. Sie beschäftigt sich also Schwerpunktmäßig mit Konsumverhalten und engagiert sich schon seit vielen Jahren ehrenamtlich für nachhaltigeres Handeln, z.B. im Bereich Lebensmittelverschwendung. Seit Oktober 2018 ist sie bei ShoutOutLoud e.V. aktiv, wo sie und das Team vielfältige Aktionen rund um soziale und Umweltthemen unternehmen und so Ehrenamt mit Spaß verbinden.