Als Frau ist es höchste Zeit dir Gedanken um deine finanzielle Lage zu machen, denn Armut ist weiblich. „Arm bin ich nicht!“, denkst du? Frauen sind viel stärker von Armut bedroht, als Männer. Das deutsche Sozial- und Rentensystem richtet sich nicht nach der Lebensrealität von Frauen. Dadurch wird die Diskriminierung von allen Menschen, die sich im binären Geschlechtersystem als Frau einordnen oder eingeordnet werden, noch verstärkt und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt und in der eigenen Vorsorge sind kleiner. Schauen wir uns das doch einmal genauer an. Unser Schwerpunkt liegt hierbei auf der Lebenssituation von Cis-Frauen in klassischen heterosexuellen Beziehungen. Uns ist bewusst, dass dies nicht die Bandbreite aller Lebensrealitäten abdeckt.

Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt

Frauen verdienen auf der gleichen Position wie Männer 6% weniger. Weil sie häufig in schlecht bezahlten Berufsfeldern arbeiten, verdienen Frauen im Durchschnitt 21% weniger als Männer. Das liegt daran, dass Frauen diskriminiert werden, weil sie keine Männer sind, weil sie schwanger werden können, aber auch weil sie nicht so hohe Gehaltsforderungen stellen, wie ihre männlichen Kollegen.

Ehe

Die beste Vorsorge 2019 ist auch heutzutage ein Ehemann, wenn die Ehe bis zum Tod hält. Selbst wenn beide eine progressive Ehe führen wollen, macht spätestens das Ehegattensplitting Entscheidungen auf Werten der Gleichberechtigung von Mann und Frau schwer. Da Männer im Schnitt mehr verdienen, ist es finanziell in einer Ehegemeinschaft nur logisch, wenn die Frau weniger arbeitet oder sich um das gemeinsame Kind kümmert und so Steuern gespart werden können.

Fehlende Kinderbetreuung

Ein großer Knick in der Karriere und finanziellen Sicherheit entsteht, wenn Frauen Kinder bekommen. In Deutschland gibt es keine gute Versorgung mit Kinderbetreuungsplätzen, sodass Frauen, die in den Beruf zurückkehren wollen, dies nicht in Vollzeit tun können. Insbesondere Alleinerziehende sind von Armut betroffen, weil reguläre Arbeit ohne gute Kinderbetreuung nicht möglich ist.

Unbezahlte Arbeit

„Wenn Frauen nur Teilzeit arbeiten, verdienen sie auch nicht mehr Lohn!“. Nein – Wenn unbezahlte Arbeit berücksichtigt wird, arbeiten Frauen mehr als Männer. Während Frauen eine 55 Stunden Woche haben, kommen Männer im Schnitt auf eine 49 Stunden Woche. Care-Arbeit wie Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen ist unbezahlte Arbeit. 90% dieser Care-Arbeit wird von Frauen getragen. Damit halten sie den Männern den Rücken frei, Vollzeit zu arbeiten und entlasten den Staat, welcher keine Betreuungs- und Versorgungseinrichtungen ausbauen muss.

Rente

Das deutsche Rentensystem funktioniert nur bei einer durchgehenden Erwerbsbiografie, Vollerwerbstätigkeit und durchschnittlichem Einkommen. Frauen haben das alles oft nicht. Häufig liegt ihr Einkommen unterhalb der Existenzsicherung, sodass an extra Vorsorge nicht zu denken ist. Das hat zur Folge, dass sie nur unregelmäßig in das Rentensystem einzahlen, was sich mit Eintritt ins Rentenalter zeigt: eine Frau im Westen bekommt 606€ Rente im Monat. Männer bekommen fast das Doppelte. In den ostdeutschen Bundesländern ist der Unterschied wesentlich kleiner. Ostdeutsche Frauen bekommen 48 % höhere Renten als Frauen aus westdeutschen Bundesländern. Frauen waren in der DDR häufiger erwerbstätig und die Kinderbetreuung war ausgebauter.

In dieser Aufzählung wurden nur Unterschiede zwischen Männern und Frauen berücksichtigt. Sobald Herkunft, Hautfarbe, sexuelle Orientierung oder Aussehen nicht den Vorstellungen der gesellschaftlichen Norm entsprechen, wirken Diskriminierungen auf den Arbeitsmarkt verstärkt. Frauen mit Beeinträchtigungen oder mit Migrationshintergrund sind noch häufiger von Armut betroffen.

Was kannst du also tun?

Frag nach einer Gehaltserhöhung. Du kannst zuerst herausfinden, was deine männlichen Kollegen verdienen oder auch einfach so anfragen. Du arbeitest gut, bist zuverlässig und deine Arbeitgebenden sind zufrieden mit dir? Dann zeig deine Durchsetzungskraft und fordere Anerkennung.

Du bist erstaunt darüber, was du hier erfahren hast? Dann erzähl deinem Freundeskreis davon. Insbesondere Frauen sollten auf ihre Vorsorge achten und ihre männlichen Partner können sie dabei unterstützen. So kann, wenn die Frau zum Beispiel in Teilzeit arbeitet, weil sie sich um die Kinder kümmert, der Mann weiterhin in die private Vorsorge der Frau einzahlen.

Oder wir machen es wie die Frauen in Island. Dort haben schon 1975 zum ausgerufenen Frauen-Ruhetag 90% aller Frauen die Arbeit niedergelegt und damit die Wirtschaft lahmgelegt. Island ist übrigens das erste Land, wo die Lohngleichheit von Unternehmen nachgewiesen werden muss. Es geht also auch anders.

Als Mann denkst du, was hab ich damit zu tun? Nun zum einen lastet ein ganz schöner Druck auf Männern, die Alleinernährer zu sein, dafür zu sorgen, dass die Familie nicht in Armut abrutscht und eigentlich auch noch neben der Arbeit ein liebevoller Vater zu sein. Die Last kann auf mehr Schultern verteilt sein. Gleichzeitig hast du vielleicht eine Schwester oder Tochter, die selbst auf eigenen Beinen stehen wollen, denen das aber systematisch schwer gemacht wird.

Dieser Artikel wurde gechrieben von Katharina Krüger von “Wer braucht Feminismus?”

Dieser Artikel ist Teil des Themenmonats zu Feminismus und Gleichberechtigung, der gemeinsam mit der Initiative Wer braucht Feminismus gestaltet wurde. Möchtest Du und Deine Organisation mit uns gemeinsam auf eines unserer Engagement-Themen aufmerksam machen? Melde Dich bei uns: info@govolunteer.com