Mit dem „Ausgezeichneten-Engagement“-Siegel zeichnen wir jedes Jahr soziale Projekte aus, die vorbildliche Arbeit mit freiwilligen Helfer*innen leisten. Zu diesen Projekten zählt auch die Björn Schulz Stiftung. Wir haben das großartige Team von der Stiftung in einem Interview gefragt, was ausgezeichnetes Engagement für sie ausmacht und warum ein Engagement beim ihnen besonders bereichernd ist.

Erzählt uns kurz über Eure Organisation. Was macht Ihr? Wie viele freiwillige Helfer*innen engagieren sich bei Euch?

Die Björn Schulz Stiftung begleitet Familien mit lebensbedrohlich und lebensverkürzend erkrankten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung, während des oft langen Krankheitsverlaufs bis in die Zeit des Abschiednehmens und über den Tod des Kindes hinaus. 

Im stationären Hospiz Sonnenhof in Berlin werden erkrankte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Krisensituationen, im Rahmen der Entlastungspflege und in der letzten Lebensphase professionell gepflegt, liebevoll begleitet und umsorgt.

Wenn ein Kind schwer erkrankt, ist immer die gesamte Familie betroffen. Unser Anspruch dabei ist es, die individuellen Bedürfnisse der Familien in den Mittelpunkt zu stellen. Die Angebote der Stiftung sind darauf ausgerichtet und bilden ein umfassendes Netzwerk der Hilfe für jedes Familienmitglied. Dafür steht eine Vielzahl von haupt- und ehrenamtlich Tätigen mit unterschiedlichen Professionen und Begabungen in einem multiprofessionellen Team zur Verfügung.

Am Standort Berlin stehen ca. 300 ehrenamtliche Helfer*innen bereit um unsere Arbeit zu unterstützen. Neben dem allgemeinen Ehrenamt sind dies im ambulanten Bereich Familienbegleiter*innen im Ambulanten Kinderhospizdienst AKHD sowie Familienhelfer*innen im Familienunterstützenden Dienst FuD. Nach Absolvierung eines Vorbereitungskurses sind diese unmittelbar in den Familien tätig.

Was kann man als Helfer*in bei Euch machen?

Im Sonnenhof – Hospiz für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind Unterstützer*innen bei Angeboten für Gäste und deren Familien tätig, die durch die Mitarbeiter*innen der Björn Schulz Stiftung nicht angeboten werden könnten. Dies ist meist abhängig von persönlichen Fähigkeiten der Ehrenamtlichen. So gibt es z.B. einen Friseur, mehrere Vorleser oder Menschen die mit den Gästen in den Garten gehen oder einfach Nähe und Zuwendung geben. Ebenfalls unterstützen uns Freiwillige bei der Vor- und Nachbereitung des gemeinschaftlichen Frühstücks- bzw. Abendessen.

Und dann gibt es noch die vielen Helfer*innen, die uns im Allgemeinen Ehrenamt helfen. Sei es bei der Durchführung unserer vielen Veranstaltungen, der Besetzung von Infoständen, beim Verteilen von Informationsmaterial oder bei der Hilfe in unserem Garten und unserer Wäscherei. Botenfahrer*innen übernehmen Transporte und Fahrten in ganz Berlin um Sachspenden und Spendenhäuschen abzuholen. 

Wir betreiben einen Second Hand Shop, die Schatzinsel, in dem wir erhaltene Sachspenden gegen Spende weitergeben und somit wieder einer Nutzung zukommen lassen. Die Schatzinsel wird komplett durch Ehrenamtliche betrieben und wir Hauptamtlichen der Björn Schulz Stiftung unterstützen administrativ.

Der Ambulante Kinderhospizdienst (AKHD) bietet Beratung, Unterstützung und Begleitung für Familien zu Hause an und arbeitet eng mit den Netzwerkpartnern im Hilfesystem zusammen. Ausgebildete ehrenamtliche Familienbegleiter*innen stehen den Familien zur Seite. Je nach Familiensituation sind sie einmal in der Woche für ca. drei Stunden in der Familie. Sie sind Gesprächspartner, helfen ganz praktisch im Alltag, begleiten erkrankte Kinder und deren Geschwister.

Der Familienunterstützende Dienst (FUD) ist ein weiterer ambulanter Dienst der Björn Schulz Stiftung. Der FUD unterbreitet niedrigschwellige „Angebote zur Unterstützung im Alltag“ (AUA). Das können alters- und entwicklungsgerechte Spiel- und Beschäftigungsangebote (z.B. spielen, malen, vorlesen) sein, Angebote zur Umweltwahrnehmung, Besuche von Freizeitangeboten (Spielplätze, Zoo, Kino u.ä.) sowie spielerische Wahrnehmungsübungen zur Erlangung eines besseren Körpergefühls. Hier gibt es ebenso wie beim AKHD einen Kurs zur Vorbereitung auf diese Aufgabe, der zeitliche Aufwand umfasst ca. sechs Stunden im Monat.

Was ist für Euch der Schlüssel zu guter Kommunikation mit freiwilligen Helfer*innen?

Seit vielen Jahren hat sich in unserer Stiftung eine sehr wertschätzende Dankeskultur entwickelt. Das reicht vom persönlichen Dankeschön über kleine Giveaways bin hin zur jährlichen Dankeschön-Veranstaltung. Denn wir wissen, ohne ehrenamtliche Unterstützung wäre unsere Arbeit nicht möglich.

Unser Schlüssel zu guter Kommunikation hat viele Facetten:

  • persönliche Kennenlern- und Betreuungsgespräche
  • hauptamtliche Koordinator*innen als Ansprechpartner*innen, Erreichbarkeit persönlich im Büro, per Telefon und Mail 
  • regelmäßige Info-Rundbriefe mit Informationen aus der Stiftung und den ambulanten und stationären Diensten, Aufrufen für Einsätze, Informationen zu Veranstaltungen, auch im Rahmen unserer hauseigenen Akademie, Dankeschön für getätigte Einsätze und vieles mehr
  • Einbeziehung in unsere Social-Media-Aktivitäten
  • Aktuelle Informationen über unsere Website inkl. Veranstaltungskalender und elektronischem Newsletter sowie über Facebook und Instagram
  • Ansprache der Ehrenamtlichen per E-Mail, schriftlich und telefonisch mit Informationen zu Einsatzmöglichkeiten, aktuelles aus der Stiftung sowie der Gewährung von Benefits (z.B. Freikarten etc.)
  • Einarbeitungszeiten, persönliche Ansprechpartner*innen vor Ort
  • umfassendes Vorbereiten auf das freiwillige Engagement durch Vorbereitungskurse und Schulungen
  • regelmäßige Praxistreffen und Supervisionen
  • Wertschätzung mit einem Danke bei den Einsätzen vor Ort
  • Dankeschön-Veranstaltungen und Teilnahme an Festen, Veranstaltungen, Vorträgen
  • Weiterbildungen
  • Ehrenamtskarte für Berlin/ Brandenburg
  • und stets ein offenes Ohr für die Belange der Ehrenamtlichen

Wie arbeitet Ihr zielorientiert und gebt den Helfer*innen gleichzeitig die Möglichkeit sich flexibel zu engagieren?

Bereits im ersten Gespräch gehen wir stark auf die persönlichen Vorlieben sowie mögliche Einsatzzeiten ein. Bei einigen Tätigkeiten sind wir zeitlich und räumlich flexibel, jedoch sind auch hausinterne Abläufe und Dienstpläne zu berücksichtigen. Am Wochenende sind ebenfalls Einsätze in bestimmten Bereichen möglich. So können Ehrenamtliche, die in der Küche beim Frühstück- und Abendessenbereiten helfen, sich sehr flexibel in einen Einsatzplan eintragen. 

Allerdings sind Einmaleinsätze schwierig zu gestalten und bilden daher die Ausnahme. Die Abläufe in unserem Haus erfordern eher eine beständige, wiederkehrende Unterstützung. Wer nicht regelmäßig und vielleicht nur an wenigen Tagen im Jahr unterstützen kann findet vielleicht bei der Unterstützung von Veranstaltungen oder im Rahmen von Einzelaufrufen eine sinnstiftende Aufgabe.

Haben sich Eurer Meinung nach die Anforderungen und Bedürfnisse, die freiwillige Helfer*innen an soziale Projekte stellen, in den letzten Jahren verändert? Wenn ja, wie?

Im Zeitalter der Flexibilität können die freiwilligen Helfer*innen kein mehrjähriges Engagement zusichern. In sozialen Projekten, wie ambulante Familienbegleitung in Familien mit lebensverkürzt erkrankten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist eine Verbindlichkeit über einen längeren Zeitraum notwendig. Schließlich werden ehrenamtliche Familienbegleiter*innen sehr intensiv auf ihre Aufgabe vorbereitet und während ihrer Einsatzzeit von unseren Koordinatoren*innen und extern persönlich betreut (Einzelgespräche, Supervisionen, Fortbildungen). Die Organisationen und die freiwillig Engagierten sind aufgefordert, gemeinsam neue Wege in der Freiwilligenarbeit zu finden. 

Das junge Ehrenamt möchte im freiwilligen Engagement vor allem eine Sinnerfüllung finden. Die älteren Generationen haben Ehrenämter oft auch gewählt, um mit anderen freiwillig Engagierten in Kontakt zu kommen. Dies ist bei den jungen Generationen weniger ausgeprägt. Sie sind über die modernen Medien bereits sozial vernetzt.

Starte jetzt dein Engagement bei der Björn Schulz Stiftung!