2020 und 2021 waren politisch sehr fordernde Jahre für Menschen weltweit. Die Corona-Pandemie hat unsere Gesellschaft und Demokratie viel gekostet. Gleichzeitig demonstrierten z.T. mehr als 20.000 Menschen immer wieder gegen die Corona-Politik der Bundesregierung. Die großen Demonstrationen gepaart mit hohen Inzidenzen verunsicherten viele Menschen. Auch wenn manche von den Demonstrierenden nachvollziehbare Gründe für ihre Wut hatten, war der Schulterschluss mit Rechtsextremen (z.B. Reichsbürger:innen und Identitären) schockierend. Die Bilder der Stürmung der Bundestagstreppen durch Querdenker:innen hinterlassen immer noch einen bitteren Geschmack.

In dieser Krisenzeit fragst Du Dich vielleicht: Wie steht es um unsere Demokratie? Wird sie zerfressen von Verschwörungsmythen, rechten Ideologien und Fake News?

Wir stellen uns die gleichen Fragen und haben uns zu diesen drängenden Fragen mit dem Frankfurter Verein für demokratische Teilhabe mehr als wählen ausgetauscht. Gemeinsam möchten  wir in diesem Blogartikel Wege vorstellen , durch die  wir die Demokratie stärken und mehr Beteiligung von Menschen ermöglichen können.

Raus aus der Bubble: Demokratie braucht einen gesunden Diskurs

Die Demokratie lebt von Meinungsvielfalt. Wir müssen wieder lernen einander zuzuhören und uns konstruktiv zu streiten. Eine gesunde Diskussionskultur ist sehr wichtig für einen demokratischen Austausch. Manchmal bringen uns Stammtischgespräche mit Andersdenkenden schnell an unsere Grenzen. Schnell entbrennt ein Streit mit Freund:innen oder Familie, da es vielen mehr ums Gewinnen als um einen faktenbasierten Austausch geht. Doch Resignation und Konfliktscheue ist keine Option in der Demokratie!

Angebote für Deinen fairen Austausch

Das neue unterhaltsame Diskussionsformat demoSlam bringt Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zusammen, anstatt sie in Lager zu spalten. Sie bieten den Raum und das Werkzeug für einen gesunden Austausch und sind dabei persönlich, alltagsnah und kreativ.

Auch die Aktion Deutschland spricht bringt Menschen unterschiedlicher Meinung in ganz Deutschland zusammen. Es handelt sich hier um ein Dialogformat, das von verschiedenen großen Zeitungen und Medienanstalten (Die Zeit, NDR, Stern, FAZ, …) organisiert. Nach einer online Registrierung und Beantwortung einiger weniger Fragen zu der eigenen politischen Einstellung wirst Du mit einer Person gepaart, die die gestellten Fragen anders beantwortet hat – also eine andere politische Einstellung hat als Du. Ihr sollt dann Corona-konform per Videoanruf miteinander diskutieren. So wollen die Medienanstalten Menschen wie Dich dazu bringen, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen oder auf sie einzulassen und ggf. andere von Deiner Meinung zu überzeugen oder sie zum Nachdenken anregen.

Wo liegen die Grenzen einer demokratischen Disskusion?

Aber erinnere Dich immer daran: Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Ableismus und andere diskriminierende Ideologien sind keine Meinungen. Eine Diskussion braucht einen Raum, in dem niemand in seiner Person diskriminiert wird. Bei Diskussionen geht es nicht darum wer gewinnt, sondern um Lösungen für Probleme.

Demokratie 2.0: Bürger:innenräte

Viele Menschen fühlen sich durch die Politik in den Parlamenten nicht mehr gehört und repräsentiert. Das sollen Bürger:innenräte ändern! Ein Bürger:innenrat setzt sich aus zufällig gelosten Bürger:innen zusammen. Die Idee dahinter: jede:r kann ausgelost werden und so an der Diskussion um politische Zukunftsfragen teilnehmen. Am Ende repräsentieren die Teilnehmenden die Diversität der Gesellschaft. Die Idee die dahinter steht ist, dass Bürger:innen die Politik beraten und sich die beiden daher wieder annähern.

Der Frankfurter Verein mehr als wählen e.V. plant ebendiese demokratischen Bürger:innenrat. Der Demokratiekonvent 2021 wird das Thema Klimapolitik im regionalen Raum (Frankfurt a.M.) behandeln. Fragen zu Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und nachhaltiger Bildungs-, Bau-/Wohn- und Verkehrspolitik bedürfen dringenden Antworten und diese sollen von Frankfurter:innen selbst ausgearbeitet werden.

Gerechte Aushandlung mit diversen Akteur:innen

Um dies zu erreichen werden ⅔ der Teilnehmenden zufällig ausgelost und ⅓ unterrepräsentierte Gruppen gezielt eingebunden. Denn auch bei der Zufallsauswahl gibt es Hürden, die eine Beteiligung erschweren. Durch die konkrete Ansprache von marginalisierten Gruppen schafft mehr als wählen ein Teinehmer:innenfeld, das verschiedene Lebensperspektiven vereint. Zusätzlich werden unterschiedliche politische, wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Expert:innen und Akteur:innen beim Prozess beteiligt sein. Im Anschluss des Demokratiekonvents werden die in Gruppen ausgearbeiteten Projektideen öffentlich präsentiert und an den Dezernenten und die Stadtverordnetenversammlung weiter gegeben, die die Ergebnisse prüfen und teilweise umsetzen.

Aus dem Demokratiekonvent 2019 über Bürger:innenbeteiligung ist der DemokratieWagen hervorgegangen. Der Bus ist zukünftig als mobiler Erfahrungsraum für Demokratie  auf Frankfurts Straßen unterwegs. Das Besondere: Der Bus kommt zu den Menschen. Er begegnet den Frankfurter:innen, dort wo sie leben und sich jeden Tag aufhalten. Raus aus dem Rathaus, rein in den Alltag der Menschen. Zusammen mit verschiedenen Kooperationspartnern wie der Bildungsstätte Anne Frank bietet der Bus  einen Ort für demokratischen Austausch. Durch zum Mitmachen einladenden Modulen, einer Kaffee- und Streit-Bar steht der DemokratieWagen symbolisch für eines von vielen Projekten, die durch den ersten Demokratiekonvent umgesetzt wurden.

Dein Engagement für mehr Bürger:innenbeteiligung

Der Verein will mit dem demokratischen Bürger:innenforum einen zukunftsgerichteten, nachhaltigen und sozial-gerechten Aushandlungsprozess ermöglichen.

Neben den Projekten hat mehr als wählen auch ein Handbuch Demokratiekonvent veröffentlicht, mit dem auch Du einen Demokratiekonvent in Deiner Stadt ins Leben rufen  kannst! Das Handbuch bietet eine Anleitung, die zu mehr Bürger:innenforen in ganz Deutschland führen soll – hier> kostenlos abrufbar.

Die Aufgaben des Vereins sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Der Erfolg lässt sich spüren! Daher sucht mehr als wählen momentan einige Ehrenamtliche die sich z.B. in Social Media, Website (WordPress), Buchhaltung, Moderation, Grafikdesign oder Rechtsberatung auskennen. Hier> findest Du alle Infos und kannst Dich beim Verein melden.

Engagiere Dich jetzt bei mehr als wählen!

Bürger:innenräte und Bürger:innenrat-Initiativen gibt es in ganz Deutschland und bestimmt auch in Deiner Stadt! Hier> gibt es eine Liste von Bürger:innenräten in Deutschland, die auf Dein Engagement warten.

Starke Demokratie e.V. unterstützt Politiker:innen rechtsberatend bei Drohungen, Shitstorms und berät in der digitalen und analogen Kommunikation. Aktuell werden gezielt Projektmanager:innen und Moderator:innen gesucht. Anderweitige Engagements sind auch willkommen. Alle Infos findest Du hier>.

Ein Klima-Bürger:innenrat für Berlin! Das dachte sich auch die zivilgesellschaftliche Bürgerbewegung Klimaneustart Berlin. Sie fordern, dass Deutschland bis 2030 klimaneutral wird und sind dafür an verschiedenen Stellen aktiv. Hier> findest Du weitere Infos.

Der freiburger Verein schafft verschiedene Formate für Bürgerbeteiligung: Den Tag der Demokratie, den Kinderkonvent, den Freiburger Konvent und die Veranstaltung WERTE Wählen. Hier> erfährst du mehr über AllWeDo.

Aktion Zivilcourage ist ein parteiunabhängiger Verein, der gesellschaftliche und politische Bildungsarbeit für alle Altersgruppen leistet. Mit ihrer Arbeit stärken sie demokratische Prozesse und fördern Engagement. Der Verein ist in Sachsen tätig und richtet sich vor allem an Menschen im ländlichen Raum. Als Ehrenamtliche:r kannst Du dort deine Ideen einbringen und bei Projekten, Workshops und Veranstaltungen mitwirken. Der Verein bietet außerdem Praktika an! Alle Infos findest Du hier>.

Der Verein bietet genau das, was er verspricht: Politik zum Anfassen. Mitwirken kannst Du in Form eines Praktikums, Ehrenamts, Schülerpraktikums, FÖJ, FSJ Politik, BFD, ESK, Praktischen Jahrs Fachoberschule (FOS) und einer Ausbildung. Alle Infos findest Du hier>.

Mehr Demokratie ist die größte NGO für direkte Demokratie weltweit, überparteilich, gemeinnützig. Sie wollen u.a. mit direkter Demokratie Gesetze auf den Weg bringen. Mit verschiedenen Aktionen versucht der Verein an Stellschrauben der Politik zu drehen. Es gibt zahlreiche Projekte und Themen, bei denen Du dich einbringen kannst. Mehr Infos findest Du hier>.

Lust auf noch mehr Projekte?

Du hast Lust Dich noch mehr zu engagieren? Auf GoVolunteer.com findest du eine Vielzahl Projekten in verschiedenen Bereichen, bei denen Du Dich engagieren kannst. Schau gerne vorbei!

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