Am 29. Juli 2019 war Earth Overshoot Day. An diesem Tag hat die Weltbevölkerung ihr Budget an natürlichen Ressourcen für 2019 aufgebraucht. In Deutschland leben wir bereits seit dem 3. Mai über unsere Verhältnisse. Würden alle so wirtschaften wie wir, hätten wir insgesamt drei Erden nötig. Insbesondere beim Thema CO2-Ausstoß durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Erdgas leben wir auf Kosten anderer. Abhilfe dagegen könnte sein, fossile Energien teurer zu machen und die Kosten der Klimaschäden von morgen bereits heute in Rechnung zu stellen. Dank Fridays for Future bereitet die Einführung einer solchen CO2-Abgabe unseren Berliner Politikern momentan ganz schön Kopfzerbrechen. Aber wieso ist es so wichtig CO2 zu besteuern und wieso sollten wir uns alle dafür einsetzen, dass dies so schnell wie möglich geschieht?

Wieso eine CO2-Steuer?

Da Deutschland und viele andere Länder momentan auf dem Weg sind, ihre Klimaziele mit Ach und Krach zu verfehlen, laufen wir Gefahr, die 2 Grad-Marke zu überschreiten. Sollte dies geschehen, dann wird das Klima so „kippen“, dass unsere Zukunft erheblich gefährdet, wenn nicht sogar ausgelöscht wird. Ich könnte jetzt weiterreden über ankommende Klimakatastrophen, Kriege, Klimaflüchtlinge etc., aber ich möchte lieber versuchen darzulegen, weshalb wir mit etwas so Banalem, wie einer CO2-Steuer schon viel gewinnen können.
CO2 – das ist wie unsichtbarer Müll, den wir mit unserem Konsumverhalten erzeugen und in der Atmosphäre deponieren. Leider produzieren wir viel zu viel davon: Jeder von uns ist für durchschnittlich 10 Tonnen COim Jahr verantwortlich. Dabei sollten es zur Erhaltung unserer Lebensgrundlagen maximal nur 2 Tonnen CO2 sein. Da wir „freiwillig“ insgesamt zu wenig tun, brauchen wir für uns und die Industrie politische Regeln, die uns davon abhalten, so drastisch über unsere Verhältnisse zu leben und uns gleichzeitig motivieren innovativ zu werden. So wie wir Müllgebühren bezahlen, sollten wir auch bei unserem unsichtbaren Müll für den Verbrauch von Ressourcen und die damit verbundenen Klimaschadenskosten aufkommen.

Das Konzept des CO2-Abgabe e.V.

Vor mehr als drei Jahren schon hat sich unsere Initiative CO2 Abgabe e.V. unter der Leitung von Herrn Dr. Lange Gedanken darüber gemacht, wie eine solche Deponiegebühr, die allgemein auch als CO2-Steuer bezeichnet wird, aussehen sollte und dies gewissenhaft mit Wissenschaftlern ausgetüftelt. Als Kriterien wurde deutlich, dass die CO2-Steuer in eine Energiesteuerreform eingebettet werden müsste, welche die Energiewende verursacher- und sozial gerechter macht, Bürokratie abbaut und Innovationen fördert statt sie zu behindern.
Heraus kam das Konzept einer CO2-Abgabe, die fünf bereits zu bezahlende Umlagen und Steuern ersetzt. Bisher zahlen wir diese z.B. auf Strom unabhängig davon, ob der Strom aus Sonne und Wind oder aus Kohlekraftwerke erzeugt wird. Um ausreichend Einnahmen zu haben, die fünf aktuellen Steuern ersetzen zu können, schlägt der Verein einen Preisaufschlag vor auf z.B. die Kohle anfänglich in Höhe von 40-50 €/Tonne CO2-Emission zu erheben und jährlich um 5 €/t ansteigen zu lassen. Das bedeutet, dass wir in 2050 ca. 190 € für die Tonne CO2 bezahlen werden, was in etwa den Forderungen der Fridays for Future entspricht. Das bedeutet, dass Strom zu Beginn erheblich günstiger wird, da die Erneuerbaren Energien die teure Kohle vom Markt verdrängen werden. Die Kosten für Wärme und Verkehr, allerdings, werden steigen. Das heißt, um weniger Kosten zu tragen, werden sich manche Menschen überlegen, den Zweitwagen abzuschaffen und sich stattdessen ein E-Bike oder eine Regiomonatskarte anzuschaffen. Außerdem würden Menschen wieder öfters Urlaub an der Nordsee oder in Frankreich, statt in Thailand machen. Übrigens wäre die CO2-Abgabe die erste Steuer, die sich bei langfristigem Erfolg selbst abschafft, denn wenn die Emissionen sinken, sinken auch die Einnahmen aus der Abgabe.

CO2-Abgabe – das gilt für alle

Gerecht und wirksam ist eine solche CO2 Abgabe aber nur, wenn sie für alle gilt: für dich, für mich, aber auch für Großunternehmen in allen Sektoren, welche oftmals so bevorteilt wurden, dass sie z.B. die EEG-Umlage gar nicht zahlen mussten. Hierbei ist es wichtig zu erwähnen, dass Deutschlands private Haushalte „nur“ auf maximal 21% der nationalen Emissionen überhaupt Einfluss nehmen können. Für den weitaus größeren Teil sind Unternehmen in der Verantwortung. Sie bestimmen darüber wie viele Emissionen in den Produkten stecken, die wir konsumieren. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir uns als Privatpersonen zurücklehnen können und unser Konsumverhalten nicht drastisch ändern sollten. Es bedeutet eben auch, dass auch Unternehmen mit in die Verantwortung gezogen werden müssen, damit Strom mehr aus Wind und Sonne kommt und ihre Produkte emissionsärmer werden.
Denn den Preis zahlen am Ende alle. Bei der Nichterreichung der Klimaziele kommen auf Deutschland, und damit auch für dich und für mich, Strafkosten der EU von bis zu 60 Mrd. Euro zu. Aber die eigentliche Strafe, die wir, unsere Kinder und Enkel zahlen werden, ist, dass sich dieser Planet von lebenswert zu lebensuntauglich transformieren wird, wenn wir jetzt nicht handeln. Und das ist der eigentliche Grund, weshalb wir uns alle für die CO2 Abgabe stark machen sollten.
Zum Erklärfilm des CO2 Abgabe e.V. geht es hier. Mehr Informationen auch auf unserer Website. Folgt dem CO2 Abgabe e.V. auf Facebook oder Twitter.
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Über die Autorin

Kathinka Gaess ist seit April 2019 bei dem CO2 Abgabe e.V. als Referentin tätig. Nach ihrem Kommunikations- und Politikstudium in den Niederlanden arbeitete sie in einigen Menschenrechtsorganisationen wie Oxfam. Hier realisierte sie, dass der Klimawandel auf Menschenrechtssituationen oft große, negative Auswirkungen hat, die sich in der Zukunft vermutlich noch verschlimmern. Sich für den Klimaschutz und die Umwelt einzusetzen, ist ihr deshalb ein wichtiges Anliegen.