SOCIAL ENTREPRENEURSHIP KOLUMNE

Malte hat GoVolunteer gegründet. In seiner Kolumne “Social Entrepreneurship” teilt er Erfahrungen beim Aufbau eines sozialen Startups und Tipps für angehende Gründer. Im folgenden Beitrag beschreibt er, was für das Wachstum eines Unternehmens wichtig ist.

An Bedürfnissen orientieren

Es gibt keine magische Wachstumsformel: Nichts wird wachsen, was nicht gebraucht wird. „Market Making“ ist in 99% der Fälle eine Illusion. Menschen reagieren auf Bedürfnisse und Sehnsüchte, die sie schon in sich tragen. Deshalb muss sich ein erfolgreiches Produkt eng an diesen orientieren. Allerdings ist es gar nicht so einfach, herauszufinden, welche Bedürfnisse das sind, da sie nur selten klar artikuliert werden.

Die eigene Erfahrung nutzen

Ausgangspunkt für einen Gründer ist immer die eigene Erfahrung. Wenn man selbst ein ungestilltes Bedürfnis oder eine lange unerfüllte Sehnsucht in sich spürt, besteht die realistische Möglichkeit (allerdings nicht die Gewissheit), dass es anderen genauso geht. Wenn das eigene Produkt für den Gründer selbst keinen Mehrwert bietet, geht das vielen Kunden wahrscheinlich genauso.

Den Markt beobachten und flexibel bleiben

Um dauerhaft zu wachsen, muss ein Startup innovativ und flexibel bleiben. Zwei Voraussetzungen halte ich in diesem Zusammenhang für entscheidend: Erstens sollten die Gründer und ihr Team dauerhaft (mindestens) ein Auge und ein Ohr am Markt behalten und verstehen, wie sich die Bedarfe und Sehnsüchte der Zielgruppe entwickeln. Zweitens sollte die Bereitschaft zu Veränderung in der eigenen Organisationskultur verankert werden.

  1. Zielgruppe im Auge behalten: Um die Zielgruppe besser zu verstehen und ihre Bedarfe zu ermitteln, ist es hilfreich, sich als Gründer immer wieder folgende Fragen zu stellen: Wem nützt mein Produkt? Was wollen diese Menschen wirklich? Was sind gegebenenfalls Gründe, warum mein Produkt der Zielgruppe bisher nicht hilft?Auch hierfür ist der „geistige Rollentausch“ bzw. Perspektivwechsel eine aufschlussreiche Übung: Ich stelle mir eine konkrete Person vor, die zu meiner Zielgruppe gehört, und versuche mich in sie hineinzuversetzen. Wie würde ich reagieren, wenn ich in derselben Situation wäre, wenn ich dabei dieselben Wünsche, Hoffnungen und Erfahrungen wie dieser Mensch hätte?
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  2. Auf Veränderungen reagieren: Wichtige Faktoren, um sich auf Bedarfe und Wünsche der Zielgruppe einzustellen, sind Transparenz und Schnelligkeit bzw. Flexibilität in der eigenen Organisation. Von Beginn an sollte ein Unternehmen alle kundenorientierten Aktivitäten und ihre Wirkung in Echtzeit messen und beobachten. So können der Sales Funnel genauer bestimmt und Wachstumspotenziale und -hindernisse identifiziert werden. Hierfür sind insbesondere folgende Fragen zu beantworten:
    • Wie funktioniert der Kauf- und Konsumprozess im Detail?
    • Welche Rolle spielt mein Produkt im Leben meiner Kunden?
    • Wie schaffe ich es, die Beziehung, die ich zu meinem Kunden aufgebaut habe, wachsen zu lassen?

Performance beobachten und reagieren

Key Performance Indikatoren (KPIs) sind ein wichtiges Instrument: Ein guter Startpunkt ist es, die User Journeys genau nachzuvollziehen und auf jeder Stufe Hindernisse und Anreize zu identifizieren, um dann zu überlegen, wie diese messbar gemacht werden können. KPIs werden in vielen Startups bisweilen sorgfältig definiert, aber im Alltag zu häufig wieder vergessen. Dabei ist ein kontinuierliches Monitoring das A und O, um Zusammenhänge zu verstehen und Probleme wie Chancen frühzeitig zu erkennen. Anschließend kommt es darauf an, Dinge auszuprobieren sowie schnell zu reagieren, wenn etwas nicht funktioniert, und daraus für die Zukunft zu lernen. Je häufiger dieser Trial-and-Error-Zyklus durchlaufen wird, desto innovativer und krisenfester ist das Unternehmen.

Über den Autor

Malte Bedürftig ist Gründer und CEO von GoVolunteer. Er verfügt über 10 Jahre Berufserfahrung als Management-Berater. Während seiner Beratungstätigkeit konzentrierte er sich auf Projekte im öffentlichen und sozialen Sektor und entwickelte besondere Expertise in den Bereichen Strategie und digitale Technologien.

2015 gründete Malte das soziale Startup GoVolunteer mit dem Ziel, jedem Menschen die Chance zu geben, unser gesellschaftliches Zusammenleben durch ein persönliches Engagement mitzugestalten. Heute leitet Malte GoVolunteer und unterstützt als freiberuflicher Experte und Coach Unternehmen, öffentliche Institutionen und Non-Profit-Organisationen in den Bereichen Strategie, soziale Verantwortung und Organisationsentwicklung.