Warum ist der richtige Sprachgebrauch beim Thema Integration so wichtig?

Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist es Ziel der Integration, alle Menschen, die dauerhaft in Deutschland leben in die Gesellschaft mit einzubeziehen. Integration betrifft also sowohl Gebürtige als auch Zugewanderte und ist, anders als häufig behauptet, keine Einbahnstraße. Umso wichtiger ist es, dass wir über Integration reden.

Doch welche Wörter sind die richtigen? Der Sprachgebrauch beim Thema Integration und Migration ist für viele überwältigend. Wie rede ich über das Thema? Was darf ich sagen? Und was sollte ich auf keinen Fall sagen?

Es gibt eine Vielzahl an Bezeichnungen und Begriffen. Das kann zu Unsicherheiten im Sprachgebrauch führen. Auch wenn jede:r Betroffene ein individuelles Empfinden hat, ist es wichtig zu wissen, welche gängigen Begriffe vielleicht diskriminierend sein können. Es ist deswegen immer von Vorteil zu fragen, wie die betroffene Person gerne angesprochen werden möchte. Dieser Beitrag hilft Dir dabei, Dich im Alltag richtig auszudrücken und niemandem ein schlechtes Gefühl zu geben.

Don’t: „Ausländer:in“

Der Begriff „Ausländer:in“ definiert eine Person, die einem ausländischen Staat angehört. Meist wird dieser Begriff in der rechtspopulistischen Szene verwendet, um Menschen mit Migrationsgeschichte zu beschreiben. Das ist oftmals auch der Fall, wenn die Person schon seit einiger Zeit in Deutschland wohnt oder sogar hier geboren ist. Mit der Bezeichnung werden Menschen nach Stereotypen kategorisiert. Ihnen wird aufgrund ihres Aussehens eine bestimmte Identität zugeschrieben. Diese stimmt vielleicht nicht mit ihrer Lebensrealität überein. Viele können sich mit dieser Bezeichnung nicht identifizieren, weil sie ihre Lebenswirklichkeit nicht beschreibt.

Mehr zum Begriff findest Du in diesem Glossar.

Don’t: „Mensch mit Migrationshintergrund“, “Migrant:in”

Gängige Alternativen im alltäglichen Sprachgebrauch zum Begriff „Ausländer:in“ sind die Bezeichnungen „Mensch mit Migrationshintergrund“ oder “Migrant:in”. Auch diese Bezeichnungen stehen schon seit langer Zeit in der Kritik. Hierbei ist es gut zu wissen, dass „Migrant:in“ ein weit fassender Begriff ist. Er beschreibt zunächst im allgemeinen eine Person, welche ihr Land verlässt, um sich beispielsweise in einem anderen Land neue Arbeit zu suchen. Wenn diese Bezeichnungen nun im falschen Kontext benutzt werden, wird es problematisch.

Dabei schließen die Begriffe beispielsweise Sinti:ze in Diskussionen über Diskriminierung aus, da sie dieser auch ausgesetzt sind, aber meist nicht zugewandert sind. Die Bezeichnungen können auch irreführend wirken, da es so klingt als sei die Person selber zugewandert, dabei ist dies nicht immer der Fall (z.B. 2. oder 3. Generation in Deutschland geboren).

Do: „Diverskulturell“, „Mensch mit Migrationsgeschichte“

Alternativen wären zum Beispiel „Diverskulturelle“, „Menschen mit Migrationsgeschichte“-oder „mit internationaler Geschichte“. Diese Begriffe sind allgemeiner und passen eher zur Lebenswirklichkeit von Betroffenen.

Don’t: „Flüchtling“

Zunächst einmal muss man den Begriff „Flüchtling“ von „Asylsuchenden“ unterscheiden. Menschen, die vor Gewalt oder Verfolgung fliehen, müssen erst ihren Antrag um Asyl bestätigt bekommen, um als „Flüchtling“ zu gelten. Vor der Bestätigung ihres Antrags gelten sie als “Asylsuchende”.

„Flüchtling“ ist ein Begriff, der seit ca. 2015 hauptsächlich mit politischen geflohenen aus Syrien in Verbindung gebracht wird. Der Begriff ist erniedrigend, da die Endung „-ling“ eine Verniedlichung ist und auf viele Betroffene entmenschlichend wirken kann.

Do: „Geflüchtete:r“

Es wird empfohlen von „Geflüchteten“ oder „Schutzsuchenden“ zu sprechen. Zudem ist auch anzumerken, dass der Begriff „Geflüchtete:r“ gegendert werden kann. Das Wort  „Flüchtling“ impliziert, dass eine Person dauerhaft auf der Flucht ist, während „Geflüchtete:r“ ein potenzielles Ende der Flucht darstellt.

Grundsätzlich sollte immer hinterfragt werden, ob die Einwanderungsgeschichte oder die Herkunft einer Person überhaupt relevant für die Diskussion und den Kontext ist. Zudem sollte sich jede:r überlegen, ob es wichtig ist, den Hintergrund des Gegenüber zu kennen.

Die Selbstbezeichnung kann zudem bei jedem Menschen anders ausfallen. Vielleicht gibt  es diverskulturelle Menschen, die kein Problem darin sehen Begriffe wie „Ausländer“ zu verwenden. Jedoch sollte der Sprachgebrauch für Menschen, die nicht zu dieser Gruppe gehören, rücksichtsvoll behandelt werden.

So kannst Du Dich für die Integration und einen richtigen Sprachgebrauch engagieren

Unterstütze die Integrationslots:innen dabei, Menschen mit Migrationsgeschichte den Start in das Leben in der neuen Heimat zu erleichtern. Du kannst hierbei einfache Beratungstätigkeiten wahrnehmen, aber auch Betroffene direkt mit zu Ämtern und Behörden begleiten.

Tipps wie Du rechtspopulistischer Sprache im Alltag entgegentreten kannst, findest du unter kleinerfünf.de.

Übrigens: Ein umfangreiches Glossar zu antidiskriminierendem Sprachgebrauch findest Du bei den Neuen Medienmacher:innen.