Gülperi hilft Menschen ohne Obdach bei “warmgefahren” in Berlin

“Ich komme aus der Türkei, wo ich eine sehr große Familie habe. Ich bin mit meinem Mann hier, was sehr schön ist. Manchmal fühle ich mich aber auch allein. Durch ehrenamtliches Engagement kann ich andere Menschen kennenlernen. Es ist einfacher Freunde zu finden. In der Türkei gibt es weniger obdachlose Menschen, oder zumindest sieht man nicht, dass Menschen auf der Straße schlafen oder dort leben. Das war für mich sehr neu, als ich nach Berlin gekommen bin und diese Menschen gesehen habe – ich habe mich gefragt, warum sie auf der Straße leben. In der Türkei kümmert man sich um seine Familie, seine Verwandten, aber nicht um fremde Menschen.”

Gülperi Engagierte Newcomer:innen warmgefahren
Gülperi Engagierte Newcomer:innen warmgefahren

Verstehen wollen, weshalb Menschen auf der Straße leben

“Als ich mich zum ersten Mal für Menschen ohne Obdach engagiert habe, musste ich abends erstmal mit meinem Mann sprechen, weil ich so traurig war. Diese Menschen müssen draußen leben, und das auch im Winter. Dann haben wir erstmal recherchiert, wie viele Menschen in Berlin auf der Straße leben und warum sie das tun. So konnte ich sie ein bisschen besser verstehen. Manche Menschen wählen ja auch das Leben auf der Straße freiwillig, andere müssen es führen. Es gibt verschiedene Ansichten zu dem Thema, aber es ist wichtig zu wissen, dass nicht alle die Wahl haben. Dieses Gefühl von Traurigkeit und Einsamkeit hat mich mitgenommen. Ich konnte eine Woche lang nicht aufhören, daran zu denken.”

Gülperi Engagierte Newcomer:innen warmgefahren

Das Gefühl von Obdach geben

“Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, was ich für Menschen ohne Obdach tun kann, ob ich ihnen eine Unterkunft geben kann oder zumindest das Gefühl von Obdach. Also helfe ich bei warmgefahren. Wir verteilen Essen, manchmal Kleidung, aber auch das Sprechen hilft ungemein: Damit sich Menschen gut aufgehoben fühlen und nicht so allein. Zu sagen: Du bist nicht allein. Das tut gut. Es ist nicht wie Essen oder eine Unterkunft, aber trotzdem eine wichtige Bereicherung.”

Ängste überwinden und Zuneigung schenken

“Mein Mann hatte anfangs Angst um mich. Er meinte, die obdachlosen Menschen könnten gefährlich sein oder gewalttätig. Aber diese Menschen sind gezwungen, sich auf andere zu verlassen. Das schürt auch bei ihnen selbst Angst.
Wir können sie verstehen und ihnen Zuneigung entgegenbringen. Diese Menschen leben mit uns in den gleichen Straßen. Wir können nicht einfach an ihnen vorbeilaufen, wir sollten aufmerksamer sein.

Ich tue mein Bestes, um auf meine Weise zu helfen. Wenn ich einen obdachlosen Menschen sehe, gehe ich erstmal hin und sage hallo; vermittle, dass ich ihn anerkenne als jemanden, der hier auch lebt und der ein Mensch so wie ich ist. Dass ich ihn sehe und begrüßen möchte. Das hilft, Angst oder Unsicherheit zu überwinden, und zwar auf beiden Seiten.”