Wir alle haben schon einmal einen schriftlichen Angriff auf eine Person oder eine Personengruppe auf sozialen Plattformen gelesen. Das Internet ist aber nicht der einzige Ort, wo uns Hassrede begegnet. Immer wieder passiert es Menschen, dass sie aufgrund der Zugehörigkeit zu oder Solidarisierung mit einer bestimmten Personengruppe mit Worten angegriffen werden. Dies kann im Beruf passieren oder auch dort, wo man es vielleicht am wenigsten erwartet – nämlich im sozialen Engagement. Doch was genau bedeutet Hassrede? Wo bekommen Betroffene Hilfe? Und was kannst Du dagegen tun? Wir haben mit einer betroffenen Person gesprochen und die wichtigsten Fakten für Dich gesammelt:

Was bedeutet Hassrede?

Hassrede, auch Hate Speech genannt, kann in gesprochenen oder geschriebenen Worten erfolgen. Jegliche Belästigung, Beleidigung, negative Stereotypisierung, Stigmatisierung oder Bedrohung einer Person oder Personengruppe sind als Hassrede zu verstehen. Dazu zählen auch das Fördern und Aufstacheln zu Verunglimpfung, Hass oder Herabwürdigung. Sie ist als Form der Diskriminierung zu verstehen, indem sie Menschen gezielt abwertet oder bewusst angreift.

Hassrede richtet sich fast immer gegen Personen oder Personengruppen, die bereits gesellschaftlich benachteiligt sind. Sie kann sich auch gegen Personen richten, die sich mit ihnen solidarisieren. In Deutschland ist sie zudem keine juristische Kategorie, sondern wird unter anderen Vergehen, wie Volksverhetzung geahndet.

Wie geht es Betroffenen von Hassrede?

Wir haben mit einer betroffenen Person gesprochen, die in ihrem Ehrenamt Hassrede erfahren musste. Sie arbeitet im sozialen Bereich mit jungen Menschen und setzt sich für inklusive und genderneutrale Sprache ein. Allein die Tatsache, dass sie sich für dieses Thema einsetzt und somit benachteiligte und ausgegrenzte Gruppen unterstützt, reichte als Anlass für verbale Attacken im Umfeld der Organisation. Ein anderer Teilnehmender griff sie mit heftigen Worten an und nutzte außerdem feindliche Sprache gegen bestimmte Personengruppen. Sie meldete diesen Angriff sowohl innerhalb der Organisation als auch außerhalb. Leider erreichte sie nur geringe und sehr langsame Reaktionen. Nach einer Abstimmung zum Thema bekam sie zwei weitere Hassnachrichten. Obwohl sie sich alleine gelassen fühlte, gab sie das Ehrenamt nicht auf. Einige Kolleg:innen schreiben ihr privat positive Nachrichten, öffentlich stellte sich dennoch niemand hinter sie. 

Wie viele andere Betroffene fühlte sich die Person alleine gelassen und musste für sich selbst kämpfen. Diese Erfahrung machen Menschen jeden Tag, ob im Internet, im Beruf oder im Ehrenamt. Es ist jetzt an uns allen, sie zu unterstützen und ihnen zur Seite zu stehen.

Wo gibt es Hilfe für Betroffene von Hassrede?

Du bist selbst von Hassrede betroffen oder kennst jemanden, der Unterstützung braucht? Niemand muss durch diese Erfahrung alleine gehen. Es ist richtig und wichtig, sich Hilfe zu holen und nicht alleine zu kämpfen. Doch wo findest Du Diese Hilfe?

Hilfe innerhalb der Organisation

Wenn Du Dich sicher fühlst und das möchtest, kannst Du zunächst versuchen, innerhalb Deiner Organisation auf das Problem aufmerksam zu machen oder Dir dort Hilfe zu holen.

Informiere Dich, ob es eine Vertrauensperson oder eine offizielle Ansprechperson gibt. Einige Organisationen und auch Firmen haben mittlerweile eine:n Diskriminierungsbeauftragte:n. Zu dieser Person kannst Du gehen, wenn Du oder andere Personen mit Worten angegriffen werden.

Du hast eine Person, der Du vertraust oder die verständnisvoll wirkt? Versuche sie vorsichtig anzusprechen und Dir Hilfe zu holen. Oftmals helfen Menschen gerne, bekommen aber das Problem erst zu spät oder gar nicht mit. Bitte sie gezielt um Hilfe und schildere Deine Erfahrung.

Hilfe von außen

Du hast das Gefühl innerhalb Deiner Organisation bringt es nicht viel oder Du möchtest es nicht selbst ansprechen? Gar kein Problem. Es gibt viele Hilfsorganisationen, die genau dafür da sind. Wir haben einige Beispiele gesammelt:

Die gemeinnützige Organisation bietet ein kostenloses Beratungsangebot und Prozesskostenfinanzierung. Die Organisation vermittelt auch an Beratungsstellen und Rechtsanwält:innen und hilft außerdem bei der Beweissicherung im digitalen Bereich. Zu Hate-Aid >

Die Organisation erstattet für Dich Anzeige und nimmt Dir den unangenehmen Behördengang ab. Das Angebot ersetzt zwar keine Rechtsberatung, hilft Dir aber anonym, das Problem zu melden. Zu Hassmelden >

Hier liegt der Fokus auf sexistischer Anfeindung und Bedrohung. Du kannst Dich jederzeit melden und Dir Tipps für den Umgang holen oder um eine Vermittlung zu einer Partnerorganisation bitten. ZuPinkstinks >

Die zusammengeschlossene Beratungseinrichtungen im Dachverband der unabhängigen Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG)  sorgen dafür, dass die Angegriffenen und Verletzten nicht alleine bleiben. Sie beraten und unterstützen direkt Betroffene ebenso wie Zeug:innen und Angehörige: kostenlos, vertraulich, vor Ort, parteilich im Sinne der Betroffenen und auf Wunsch auch anonym. Zum Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt >

Bei allen Fragen, die Dir Kummer bereiten, aber auch bei Hassrede kannst Du dort jederzeit anrufen und in Sicherheit von Deinen Erfahrungen berichten. Dort wird mit Dir zusammen an Lösungsvorschlägen gearbeitet. Zur Nummer gegen Kummer >

Hier findest Du Hilfe bei jeglicher Art der Diskriminierung – auch bei Hassrede. Gemeinsam mit Dir wird nach Lösungen und einem Umgang gesucht. Zum Bund für Anti-Diskriminierungs- und Bildungsarbeit >

Wie kannst Du Hassrede in Deiner Organisation vermeiden?

Hassrede ist für die Betroffenen unglaublich verletzend. Du kannst deshalb versuchen, dass sie gar nicht erst vorkommt. Schaffe in Deinem Ehrenamt einen Safespace ohne Hassrede und Diskriminierung. Wir haben einige Tipps für Dich, wie das gelingen kann:

Schaffe eine Organisationskultur, indem alle Mitglieder sich gegenseitig unterstützen und schützen. In einer Organisation, wo alle sie selbst sein können und keine Angst davor haben müssen laut zu werden, hat Hassrede keine Chance!

Sind alle Menschen in der Satzung oder dem Organisationspapier gleich geschützt? Mache den Check. Falls Dir Fehler oder Lücken auffallen, sprich Deine Vorgesetzten oder die Vertrauensperson darauf an.

In Deiner Organisation gibt es noch keine Ansprechperson? Sei Du diese Person oder schaffe gemeinsam mit deinen Vorgesetzten eine solche Position.

Versuche Dein Ehrenamt für das Thema Hassrede zu sensibilisieren. Das geht am besten mit Workshops. Im regen Austausch können alle gemeinsam Lösungen finden und sich gegenseitig unterstützen.

Wie kannst Du Dich als Zeug:in gegen Hassrede engagieren?

Alle präventiven Maßnahmen haben leider nicht so viel gebracht und es findet trotzdem Hassrede statt? Kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken und aufzugeben. Du kannst auch handeln, wenn Hassrede bereits stattgefunden hat. Gerade dann ist es umso wichtiger einzugreifen.

Für die Betroffenen ist Hassrede meist sehr verletzend. Es kann auch zu Schock und Überforderung kommen. Steh ihnen deshalb noch in der Situation zur Seite und werde laut. Sprich die Person an, die Hassrede spricht, und konfrontiere sie damit.

Oftmals trauen sich Betroffene nicht, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Übernimm deshalb in Rücksprache diese Aufgabe und mache andere Teilnehmende und Deine Leiter:innen auf die Hassrede aufmerksam. So könnt Ihr gemeinsam Lösungen finden.

Vielleicht hilft es mit dem Gegenüber zu sprechen und darauf aufmerksam zu machen, dass sie gerade Hassrede benutzt und verletzt. Wenn Du das Gefühl hast, ein Gespräch kann helfen, fange dieses an. Du kannst Dir auch noch jemanden dazu holen, der sich auskennt, um die Situation zu entschärfen.

Hassrede kann verletzen und Personen in die Ecke drängen. Du kannst ihnen helfen, indem Du für sie da bist und ihnen zuhörst. Nimm sie in ihrer Erfahrung ernst und unterstütze sie, die Situation zu verarbeiten.

Bei allen Fragen, die Dir Kummer bereiten, aber auch bei Hassrede kannst Du dort jederzeit anrufen und in Sicherheit von Deinen Erfahrungen berichten. Dort wird mit Dir zusammen an Lösungsvorschlägen gearbeitet. Zur Nummer gegen Kummer >

Hier findest Du Hilfe bei jeglicher Art der Diskriminierung – auch bei Hassrede. Gemeinsam mit Dir wird nach Lösungen und einem Umgang gesucht. Zum Bund für Anti-Diskriminierungs- und Bildungsarbeit >

Wie kannst Du Dich sonst engagieren?

Du hast Lust Dich nicht nur gegen Hassrede einzusetzen, sondern Dich in verschiedenen Bereichen zu engagieren? Dann schau auf GoVolunteer.com vorbei! Hier haben wir viele tolle Projekte für Dich!

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