Ich bin 20 und mittlerweile an dem Punkt, dass mich andere Menschen als Aktivistin bezeichnen. Irgendwie ein komisches Gefühl. Habe ich mir Aktivismus doch immer als etwas viel extremeres vorgestellt und nicht das schlichte Einfordern einer Zukunft. Eigentlich ist es nämlich genau das, wofür ich mir Nächte um die Ohren schlage und Demos organisiere. Es ist genau das, wofür ich und 1,4 Millionen Menschen am 20. September auf die Straße gegangen sind. Es ist das Einfordern von einer Politik die mit längst überfälligen radikalen Maßnahmen eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten ermöglicht. Und das nicht nur noch für ein paar Jahre, sondern für alle folgenden Generationen.

Klimakrise und Feminismus – wie gehört das zusammen?

Da ist es wieder! Das Klima oder besser die Klimakrise sind momentan überall Thema und das ist auch gut so. Doch was genau hat das Thema in einer Reihe feministischer Artikel zu suchen? Ziemlich viel! Genauer gesagt ist es bei diesem gar nicht wegzudenken. Noch genauer gesagt: Die Bewältigung der Klimakrise muss auch immer feministisch gedacht werden und der Feminismus (soweit man „der Feminismus“ überhaupt sagen kann) muss auch immer Klimaschutz mitdenken.

Warum beide Themen untrennbar miteinander verbunden sind wird klar, wenn wir uns die Folgen des Klimawandels deutlich machen.

Die Klimakrise ist eine Krise der globalen Gerechtigkeit.

Während vor allem der globale Norden, also Europa oder Amerika, Verursacher sind, leiden Menschen im globalen Süden an den Folgen. Diese Folgen braucht man sich schon seit längerem nicht mehr nur vorzustellen. Unsere global vernetzte Welt liefert sie uns regelmäßig als Nachrichten über Flutkatastrophen, Dürren, Waldbrände oder der Berichterstattung über Klimaflüchtlinge direkt in unsere Realität. Es sterben Menschen, weil wir nicht nur über unseren Verhältnissen leben, sondern auch, weil unsere Politik zu wenig tut um dies strukturell zu verändern.

Der Klimawandel reproduziert Strukturen der sozialen Ungerechtigkeit

Es ist das Ergebnis mehrerer Studien und Berichte: Es sind vor allem Frauen, die an den Folgen des Klimawandels leiden. Das liegt daran, dass Frauen von Strukturen der sozialen Ungerechtigkeit vermehrt betroffen sind und genau diese von den Folgen des Klimawandels reproduziert werden. So sind es meist mehr Frauen, die in Folge von Klimakatastrophen sterben. In Folge des Tsunamis in Südostasien 2004 waren es sogar vier Mal so viele. Die Informationen bzw. Warnungen kommen bei ihnen später an. Sie sind es, die sich auf der Flucht auch noch um Kinder und Ältere kümmern müssen und Frauen sind es, die in den Wassermassen nicht überlebten, weil sie nicht schwimmen konnten. Es sind auch die Frauen bzw. Mädchen, die bei Geldnöten die durch Ernteausfälle nach Dürren und Hitze entstehen, als erstes von der Schule genommen werden. Sie werden zuhause gebraucht bzw. ist nicht mehr das notwendige Geld vorhanden, um die Kosten für die Schule zu bezahlen. Damit verwehren die Folgen des Klimawandels Mädchen den Zugang zu Bildung. Doch es hört nicht bei diesen Aspekten auf. In Folge von Naturkatastrophen nimmt die körperliche und sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen zu und besonders Frauen im globalen Süden arbeiten in Bereichen, die von den Folgen des Klimawandels ganz besonders stark betroffen sind. Dürren und Hitzewellen machen Landwirtschaft in Teilen des globalen Südens schwer. Gerade da arbeiten aber zum größten Teil Frauen.

Frauen sind auch oft Teil von anderen marginalisierten Gruppen. Diese sind ebenso von den Strukturen der sozialen Ungerechtigkeit und damit den Folgen des Klimawandels betroffen. Dies führt noch zu einer Verstärkung der Betroffenheit.

Frauen tragen weniger Anteil an der Klimakrise

Auch die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen geht soweit, dies ganz klar zu formulieren. Tatsächlich lässt sich diese Aussage global gesehen auch nicht bestreiten. Frauen tragen wegen der vorherrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse weniger zur Klimakrise bei. Sie befinden sich in benachteiligten Strukturen und haben dementsprechend weniger Zugang zu den besonders klimaschädlichen Faktoren.

Neben den reinen Ursachen sind Frauen aber auch nicht gleichberechtigt an dem Diskurs über Klimamaßnahmen und mögliche Lösungen beteiligt. Wir können nicht ernsthaft über die Zukunft von allen folgenden Generationen diskutieren, wenn wir dabei die Hälfte der Menschheit nicht gleichberechtigt einbeziehen.

Schließlich sind es unter anderem die immer noch vorherrschenden patriarchalen Strukturen in Politik und Führungsetagen, die heute Klimapolitik so unfassbar langsam und an manchen Stellen schlicht nicht existent machen. Das wir 2019 in Deutschland genau diese patriarchalen Strukturen immer noch in den obersten Politiker*innenkreisen finden, lässt sich spätestens seit dem Rückzug von Andrea Nahles nicht mehr leugnen. Sie spricht bei ihrem Vortrag über die Gleichberechtigung von Mann und Frau im wahren Leben über Männerzirkel, die sie nie wirklich durchbrochen habe und davon, so zitiert die Zeit, dass sie in der Politik Männer und Frauen zu keinem Zeitpunkt gleichberechtigt erlebt habe.

Wenn Machtgeklüngel und Hinterzimmergerede Maßnahmen zum Stoppen und Zukunft in Gefahr bringen und ein Sexistischer Präsident aus dem Abkommen austritt, was die Krise noch eindämmen kann, ist spätestens dann der Zusammenhang von Feminismus und Klimagerechtigkeit deutlich.

Eine feministische Klimagerechtigkeitsbewegung als Chance

Halten wir fest: Wir müssen die Klimakrise feministisch denken! Aber nicht nur das, sondern auch explizit antirassistisch und in dem ständigen Streben Strukturen der sozialen Ungerechtigkeit abzubauen. Dann kann diese Krise, neben all dem Frust über die aktuelle Politik, auch eine Chance sein. Eine Chance genau diese Themen anzupacken und nachhaltig zu verändern. Eine Chance sich einzumischen und in der Klimadebatte denen eine Stimme zu geben, die unter den Folgen am Meisten leiden: Frauen und andere marginalisierte Gruppen.

Wir dürfen nicht mehr warten, sondern müssen jetzt zeigen, dass Zukunftsentscheidungen nicht nur mit der jungen Generation getroffen werden müssen, sondern auch feministisch.

Am 29. November finden dafür wieder weltweit Klimademonstrationen und Streiks statt. Auch ich werde bis dahin noch die ein oder andere kurze Nacht vor mir haben. Aber ich weiß, dass die Klimakrise die größte Krise unserer Zeit ist und so eng mit vielen anderen Kämpfen verknüpft ist, dass es sich lohnt wenig zu schlafen. 

Und das es sich lohnt am 29. November für Klimaschutz, globale Gerechtigkeit, den Abbau von sozialer Ungerechtigkeit und eine feministische Klimapolitik auf die Straße zu gehen.

Ich hoffe, dass ich ganz viele von euch mit uns auf den Straßen sehen werde!

Bis zum 29. November!

Hannah Springer von Wer braucht Feminismus? 

@hannah_sprngr (Instagram)