Solidarische Landwirtschaft for Future!

„10 Tipps, wie Du nachhaltiger und klimafreundlicher konsumieren kannst“ – bestimmt hast Du in den letzten Wochen einige solcher Überschriften angeklickt. Denn wer will das nicht – richtig konsumieren?  Die Klassiker im Lebensmittelbereich: Kaufe saisonal und regional, bevorzugt aus Bio-Anbau, vermeide lange Transportwege und Plastikverpackungen, wirf keine Lebensmittel weg. Selbst wenn Du Dich daraufhin zum Einkaufen in einen Bio- oder Unverpackt-Laden begibst – gar nicht so einfach, das alles umzusetzen! Und selbst wenn – Du musst den Aufschriften und Siegeln auf den Produkten vertrauen, weißt nicht, wer das Gemüse angebaut, das Tier geschlachtet hat. Die Lösung? Werde Mitglied in einer Solidarische Landwirtschaft! Hier sind die Produkte nicht nur saisonal und bio, sondern kommen auf dem kürzesten Weg zu Dir. Und Du kannst sogar selbst aktiv werden!

Solawi – was ist das eigentlich?

Eine Solidarische Landwirtschaft ist eine Wirtschaftsgemeinschaft zwischen Verbraucher*innen und Erzeuger*innen, in der Kosten und Ernte geteilt werden: Die Verbrauchergemeinschaft übernimmt die Kosten für den landwirtschaftlichen Betrieb, die sie solidarisch unter allen Mitgliedern aufteilt. Dafür bekommt sie die gesamte Ernte bzw. Erzeugnisse des Betriebes, die ebenfalls auf alle Mitglieder verteilt werden. Das heißt: Die Landwirtschaft – nicht das einzelne Lebensmittel – wird finanziert.

Jede Solawi in Deutschland funktioniert nach diesem Grundprinzip, die genaue Organisation ist jedoch von Solawi zu Solawi unterschiedlich. Die Erzeuger*innen sind durch die Solidarische Landwirtschaft unabhängig vom Markt und müssen sich nicht mehr dessen Preisen und Mechanismen beugen, so dass sie mehr Wert auf nachhaltige Bewirtschaftung, Humusaufbau, Artenschutz und soziales Miteinander legen können. Das sind auch die Gründe, warum bestehende Betriebe auf das Solawi-Modell umstellen – die Wertschätzung für die eigene Arbeit, das unmittelbare Feedback und die Sicherheit, dass die Arbeit bezahlt ist.

Gleichzeitig bietet sie uns VerbraucherInnen viele Möglichkeiten, sich für das eigene Essen auf dem Teller, faire Löhne, Wertschätzung von landwirtschaftlicher Arbeit und nachhaltiger und klimafreundlicher Bewirtschaftung ganz konkret zu engagieren– weit über den finanziellen Aspekt hinaus.

Die Ernte (ver)teilen

Die Verbrauchergemeinschaft übernimmt in den meisten Solawis das Aufteilen der wöchentlichen Ernte. So holen Freiwillige die Produkte am Hof bzw. Betrieb ab, kommissionieren sie auf Kisten, richten mobile Abholstationen ein oder betreuen feste Verteilpunkte. Sie sind Ansprechpartner für neue Mitglieder, achten darauf, dass jedes Mitglied seinen Teil der Ernte enthält und geben Feedback der Mitglieder an die Erzeuger*innen zurück.

Mitgärtnern und Mitarbeiten in einer Landwirtschaft

In jeder Solawi besteht die Möglichkeit, auf dem Betrieb aktiv mitzuarbeiten. In manchen Solawis ist diese Mitarbeit freiwillig, in anderen gibt es verpflichtende Arbeitseinsätze. Nicht nur bei der Ernte wird in der Regel jede helfende Hand gebraucht, auch beim Pflanzen, Beikräuter entfernen oder bei größeren Arbeiten wie dem Aufstellen von Folientunneln sind die Mitglieder der Verbrauchergemeinschaft gefragt. Einige Solawis treffen sich außerdem zum Einkochen und Weiterverarbeiten der Ernte, um so z. B. im Winter eine größere Vielfalt in die Ernteanteile zu bringen. Durch diese Mitarbeit wächst nicht nur das Wissen über landwirtschaftliche Zusammenhänge, Gemüseanbau, Tierhaltung und Verarbeitung, sondern auch die Wertschätzung für die Produkte und deren saisonale Verfügbarkeit. Wer einmal in stundenlanger Handarbeit Knoblauch gesteckt hat, wird so schnell keine Knolle mehr im Gemüsefach verschimmeln lassen! Solche Arbeitseinsätze sind außerdem immer eine gute Gelegenheit, andere Mitglieder kennenzulernen und sich mit Menschen auszutauschen, die ähnliche Interessen haben.

Organisation und Verwaltung

Natürlich fällt in einer Solawi auch allerhand Organisatorisches an. Dazu zählt nicht nur die Mitgliederverwaltung:  Solawis sind häufig auf Straßenfesten und Veranstaltungen mit Ständen vertreten, einige unterhalten eigene Social Media-Kanäle, sie organisieren Veranstaltungen, engagieren sich in zivilgesellschaftlichen Bündnissen und Netzwerken, machen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Je nach Größe der Solawi übernehmen solche Aufgaben auch festangestellte MitarbeiterInnen, aber in den meisten Solawis engagieren sich hier die Mitglieder ehrenamtlich. Eine gute Gelegenheit, das eigene Können für ein sinnvolles Projekt einzusetzen, oder in einen Bereich hineinzuschnuppern, in dem man selbst noch nicht so viel Erfahrung hat.

Das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft

Das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft setzt sich dafür ein, das Prinzip der solidarischen bzw. gemeinschaftlich getragenen Landwirtschaft breiter bekannt zu machen. Es bietet Projekten außerdem vielfältige Unterstützung und fördert durch Regional- und Arbeitsgruppen die Vernetzung. Auf der Website könnt ihr außerdem nach Solawis in eurer Nähe suchen – derzeit sind dort 246 Solawi-Betriebe und 36 Solawis in Gründung verzeichnet. Das Netzwerk hat einige angestellte MitarbeiterInnen, die von vielen Ehrenamtlichen unterstützt werden – zum Beispiel bei der Öffentlichkeitsarbeit oder in der IT. Wenn Du Lust hast, dort mitzuwirken, findest Du hier eine Liste mit Bereichen, für die aktuell Hilfe benötigt wird.

Wwoofen in der Solidarischen Landwirtschaft

Wer nicht Mitglied einer Solawi ist oder werden will, kann trotzdem als Freiwilliger mithelfen. Viele Solawi- und CSA-Höfe weltweit nehmen Wwoofer (Wwoof – world wide opportunities on organic farms) auf, die gegen Kost und Logis eine Weile im Betrieb mitarbeiten.

Verantwortung übernehmen

Vor einiger Zeit habe ich den Satz „If you eat, you’re involved in agriculture“ aufgeschnappt. Er zeigt, dass wir alle Verantwortung dafür haben, was täglich auf unsere Teller (und in unsere Tassen) kommt, und wie es produziert wird. Kein Euro, den wir für Lebensmittel ausgeben, ist unpolitisch! Eine Solawi gibt uns die Möglichkeit, wirklich Verantwortung zu übernehmen.  Durch unsere Mitarbeit können wir aktiv mithelfen, dass die Landwirtschaft nicht nur fairer und solidarischer, sondern vor allen Dingen auch enkeltauglich wird. Und lecker wird’s auch – versprochen!

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Über den Autor

Mona unterstützt das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft ehrenamtlich bei der Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist selbst Mitglied einer Solawi und freut sich jede Woche über das Gemüse, das vor den Toren Münchens angebaut wird. Als Crowdfunding-Spezialistin beschäftigt sie sich vor allem mit community-basiertem Wirtschaften, speziell in Landwirtschaft und Lebensmittelhandwerk.