In der Geschichte der deutschen Bundesministerien gab es mehr Staatssekretäre, die Hans heißen, als Frauen* insgesamt. Von People of Color ganz zu schweigen.

Condoleeza Rice, Michelle Obama, Selena Williams, Beyonce Knowles, Oprah Winfrey – wieso müssen wir noch im Jahr 2019 in die USA schauen, wenn wir erfolgreiche Frauen* of Color in politischen, gesellschaftlichen kulturellen Machtpositionen sehen wollen

Für mehr Kompetenz auf dem deutschen Arbeitsmarkt

Wir als SWANS Initiative fördern als einzige Organisation im deutschsprachigen Raum engagierte Studentinnen, Absolventinnen und Young Professionals mit Zuwanderungsgeschichte und Women* of Color. Wir organisieren Seminare rund um das Thema Karriere und Berufseinstieg und bieten unseren „Schwänen“ eine Plattform, um sich miteinander auszutauschen und zu vernetzen. Uns alle im Team eint, dass unsere Familien aus dem Ausland stammen und wir es gut fänden, wenn Frauen* wie wir auf Basis unserer Fähigkeiten und Qualifikationen die entsprechenden Jobchancen hätten.

Eigentlich sollte hier ein Wutausbruch stehen. Über den Frust, dass weiße Menschen oft eine reflexartige Abwehrhaltung kriegen, wenn wir rassistische oder islamophobe Strukturen ansprechen, oder wenn Cis-Männer noch heute ernsthaft bestreiten, dass es Sexismus gibt. Wir wollen Diskussionen nicht mehr bei Null anfangen, nur, weil das Gegenüber sich nie mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Traut euch, das geht heutzutage dank Suchmaschinen ganz leicht

Ein utopisches Gedankenexperiment

Stattdessen wagen wir ein utopisches Gedankenexperiment: Stellt euch eine Welt vor, in der die kompetenteste und qualifizierteste Person einen Job kriegt. Wie abgefahren wäre das?

1. Das Patriarchat wäre abgeschafft

In einer Welt, in der alle inkompetenten, ahnungslose, arroganten und durchschnittlichen Selbstdarsteller als solche entlarvt und behandelt werden, gibt es keinen Platz mehr für die Nullen, die wir an Staats- und Unternehmensspitzen und aus der südostdeutschen Regionalpartei CSU kennen.

2. White Supremacy wäre abgeschafft.

Mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der wir Wunderkinder of Color bestaunen, die aus einer Plastikflasche und einem Draht eine Batterie bauen, finden wir uns damit ab, dass natürlich diese Menschen die erfolgreichsten Karrieren hinlegen und die größten gesellschaftlichen Fortschritte erreichen. 

3. Soziale Ungerechtigkeit wäre abgeschafft.

Wenn nicht mehr der Geldbeutel deiner Eltern darüber entscheidet, wie gut du und deine Talente gefördert werden, steht dir die ganze Welt offen, dein wahres Potential auszuschöpfen. Reiche faule Söhnchen tun, was sie am besten können – nichts. Und machen Platz für diejenigen von uns, die anpacken und was bewegen wollen.

Lasst uns von einer Welt träumen, in der die engagiertesten und fleißigsten Menschen die Chance haben, die Welt zu verbessern. Sie packen die Probleme der Welt an, weil sie sie kennen und wissen, was wichtig ist im Leben. Und der Rest der Welt staunt.

Ihr fragt euch, wie auch ihr uns bei diesem Anliegen helfen könnt? Das geht ganz einfach im Alltag: 

  • Widersprechen

Widersprecht, wenn ihr eine sexistische, rassistische, islamophobe oder anderweitig diskriminierende Aussage hört. Diskriminierende Sprache sollte auch die stören, die sie nicht betrifft. Macht es nicht zur Verantwortung der diskriminierten Person, einen solchen Vorfall anzusprechen.

  • Mehr zuhören, weniger reden. 

Vor allem Cis-Männer und wir Weißen (Ja, auch ich, Martha, polnisch-stämmig, bin weiß) sind es so gewohnt, dass man uns zuhört, dass es uns nicht auffällt, wie oft wir anderen den Raum nehmen. Wenn dir noch nie eine Person von ihrer Erfahrung mit diskriminierendem oder übergriffigen Verhalten erzählt hat, sagt das mehr über dich aus als darüber, ob diese Dinge tagtäglich geschehen. Nur weil du die Erfahrung nicht machst, heißt es nicht, dass das nicht passiert.

Beispiele gefällig?

Das sind Dinge, die deutsche Studentinnen aus eingewanderten oder geflüchteten Geschichten in unserer Utopie nie wieder zu hören kriegen müssen, erst recht nicht im Bewerbungsgespräch oder Arbeitskontext:

  • Wie stehst du zu deinem Präsidenten Erdogan?
  • Zu spät kommen kannst du vielleicht da, wo du herkommst.
  • Würden Sie das Kopftuch denn auch ausziehen?
  • Du sprichst aber gut Deutsch!
  • Wo kommst du denn wirklich her?
  • Also wir haben ja nichts gegen Ihr Kopftuch. Aber unsere Kundschaft…
  • Erlaubt Ihnen das Ihr Vater überhaupt?

Klar können wir von dieser Welt aktuell nur träumen. Gleichzeitig engagieren wir uns weiter dafür, dass unser Traum wahr wird: Für mehr Kompetenz auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Und mehr Fatmas in den Führungsetagen.

Gastartikel von Martha Dudzinski
Gründerin und Geschäftsführerin von SWANS Initiative

Foto: SWANS Initiative

Dieser Artikel ist Teil des Themenmonats zu Feminismus und Gleichberechtigung, der gemeinsam mit der Initiative Wer braucht Feminismus gestaltet wurde. Möchtest Du und Deine Organisation mit uns gemeinsam auf eines unserer Engagement-Themen aufmerksam machen? Melde Dich bei uns: info@govolunteer.com