Wörter können positive oder auch negative Assoziationen hervorrufen. So auch bei dem Begriff Aktivist. Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieb das Wort die Vertreter *innen der philosophischen Richtung namens Aktivismus. In den Entnazifizierungsverfahren der Nachkriegszeit wurde Aktivist dann ein juristischer Fachbegriff der Nazi-Verfolger. Heutzutage verstehen wir Aktivist*innen als Personen, die sich auf eine besonders intensiver Art und Weise für die Durchsetzung bestimmter Absichten einsetzen. Aktivist*innen wollen ihre Ziele nicht primär über die direkte Teilhabe an formellen politischen Prozessen erreichen, sondern werden durch informelle Methoden – etwa durch Öffentlichkeitsarbeit, Demonstrationen oder durch das Internet aktiv.

Ende Gelände ist ein europaweites Bündnis von Menschen aus verschiedenenen sozialen Bewegungen wie etwa der Anti-Atom-, der Anti-Kohle-Bewegung oder anderen Umweltorganisationen, die sich aktiv für mehr Klimaschutz engagieren. Ihre Aktionsformen sind Massenblockaden zivilen Ungehorsams. Wir haben mit Marieke von Ende Gelände gesprochen:

Marieke, 30, Studentin

Für mich persönlich bedeutet Teil von Ende Gelände zu sein, Teil einer Wertegemeinschaft zu sein, die sich für das richtige einsetzt: Zum Beispiel dem sofortigen Kohlausstieg!

GoVolunteer: Wie bist du zu Ende Gelände gekommen? Wie lang bist Du schon dabei?

Freunde aus der Universität haben mir von Ende Gelände erzählt und mich auch zu den ersten Treffen mitgenommen. Ich bin jetzt ungefähr seit einem Jahr dabei und empfinde durch meine Aktivitäten bei Ende Gelände weniger das Gefühl von Ohnmacht – ich spürte bei Ende Gelände zum ersten Mal , dass auch ich als Individuum aktiv etwas zur Veränderung der klimapolitischen Lage in Deutschland und Europa beitragen kann.

GoVolunteer: Warum ausgerechnet Ende Gelände?

Aktionen von Ende Gelände sind für alle Teilnehmenden durch ihre Transparenz gut einzuschätzen: Zum einen hat Ende Gelände mit seinem Aktionskonsens einen verbindlichen (und friedlichen!!) Rahmen für alle Aktionen geschaffen und zum anderen sind die Aktionen von Ende Gelände in verschiedene Aktionslevel untergliedert, sodass jeder für sich entscheiden kann, wie weit er bei einer Aktion gehen möchte.

Ende Gelände

“Ich hab versucht etwas zu tun! Ich hab mich unter Einsatz meines Körpers der Abholzung unserer Wälder entgegengestellt.”

GoVolunteer: Wie steigen Leute am besten bei Ende Gelände ein, die noch nie bei solch einer Aktionsform mitgewirkt haben?

Wir freuen uns immer über neue Gesichter in unserer friedlichen Klimabewegung! Wenn jemand interesse hat bei Ende Gelände mitzuwirken, kann er sich auf der Homepage von Ende Gelände über anstehende Treffen der lokalen Gruppen informieren und einfach vorbeischauen. Zudem bietet Ende Gelände auch regelmäßig sogenannte Aktions-Trainings an, bei denen man in der Gruppe lernt, wie man sich beispielsweise bei Aktionen mit Polizeikontakt oder bei Repressionen durch die Polizei verhalten sollte. Wir verhalten uns stets deeskalierend und bleiben gewaltfrei!

GoVolunteer: Wie gehst Du mit Polizeigewalt um und inwiefern prägen Erfahrungen dieser Art die eigene aktivistische Arbeit? 

Ich selbst habe mich bisher immer für etwas niedrigere Aktions-Level entschieden, sodass ich persönlich weitestgehend vor Polizeigewalt verschont geblieben bin. Allerdings habe ich tatsächlich Polizeigewalt beobachten können und diese Erfahrung hat mich zutiefst bestürzt. Nennt mich naiv aber bis dato habe ich noch an die Polizei als Freund und Helfer geglaubt. Heute denke ich, dass die Polizei als Teil der Exekutive oftmals in einer schwierigen Lage ist – sie setzt Gesetze und Recht um. Es muss also vielmehr auf der politischen Seite gearbeitet werden, damit sich Gesetz und Recht verändert…

GoVolunteer: Wie motivierst Du Dich, um weiterhin am Ball zu bleiben?

Ich weiß, dass ich das richtige tue. Daher nehme ich mir auch die Kraft und die Motivation weiter zu machen und für mehr Klimaschutz zu kämpfen. Mein Kinderwunsch hat sich aufgrund der Klimakrise verändert. Früher wollte ich mindestens drei Kinder und eine große Familie haben. Heute machen mich die Entwicklungen auf unserer Erde so pessimistisch, dass ich eher davon absehe Kinder zu planen. Egal wie sich meine Familienplanung letztendlich entwickelt- wenn mich jemand in 20 Jahren fragt, wie es soweit kommen konnte, dann kann ich sagen: Ich hab versucht etwas zu tun! Ich hab mich unter Einsatz meines Körpers der Abholzung unserer Wälder entgegengestellt. Das wird mir keiner nehmen können.

Aktivismus Ende Gelände

“Wir ALLE müssen einen Teil dazu beitragen unsere Welt besser zu machen – doch oft denkt man, dass man als Einzelperson da nicht viel reißen kann. Das ist allerdings falsch…“

GoVolunteer: Was motiviert Dich weiterhin bei Ende Gelände aktiv zu bleiben?

Ich werde bei Ende Gelände weiter machen, bis die Politik reagiert und Klimaschutz auf der politischen Agenda auf Platz 1 steht. Ich möchte, dass wir die Klimaziele aus dem Pariser Abkommen erreichen und dass wir der nächsten Generation Welt mit stabilen Ökosystemen hinterlassen.

GoVolunteer: Warum sollte man Deiner Meinung nach jetzt aktiv werden und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten?

Die Klimakrise ist die größte Bedrohung, die die Menschen aktuell zu meistern haben. Wir sind schon so spät dran und haben es schon viel zu weit kommen lassen. Wir ALLE müssen einen Teil dazu beitragen unsere Welt besser zu machen – doch oft denkt man, dass man als Einzelperson da nicht viel reißen kann. Das ist allerdings falsch, dank Ende Gelände weiß ich, dass ich Möglichkeiten habe meinem Ärger und meiner Frustration zu begegnen; ganz einfach indem ich mich engagiere.

Ende Gelände Plakat

GoVolunteer: Was empfiehlst du Leuten, die sich engagieren wollen?

Ich glaube, dass es wichtig ist sein Thema zu finden und sich auf dieses oder maximal zwei Themen zu konzentrieren. Es gibt so viele Möglichkeiten sich zu engagieren, da gesellschaftlich auch in so vielen Richtungen noch was passieren muss:  Flüchtlingshilfe, Frauenrechte oder Klimawandel, um einige aufzuzählen. Allerdings kann es sehr belastend und frustrierend sein, wenn man sich “zu viel” vornimmt; das ist eine ganz persönliche Erfahrung, die ich gemacht habe. Das heisst man sollte sich 1) informieren, dann 2) priorisieren und dann 3) ausprobieren.

Über die Autorin

Trang kommt ursprünglich aus Dresden und lebt seit 2010 in Berlin. Sie studiert an der TU Sprache und Kommunikation und fokussiert sich auf die Themen Herkunft, Rassismus und (Geschlechter-)rollen. Durch ihren bikulturellen Background versucht sie ihre Erfahrungswerte mit ihren Mitmenschen zu teilen und neue Perspektiven aufzuzeigen.