“Ich bin Natalya, ich habe 2016 Netzwerk Chancen gegründet. Wir sind eine Initiative, die für Chancengleichheit von sozial Benachteiligten kämpft. Ich leite Netzwerk Chancen ehrenamtlich neben meinem Vollzeitjob bei einer Unternehmensberatung. Meine Familie hat selbst Migrationshintergrund und bezieht HartzIV. Das war für mich auch die Motivation und der Grund, Netzwerk Chancen zu gründen. Ich hatte selbst einen sehr schwierigen Bildungsweg, durfte nie Abitur machen und habe nur über Umwege meinen Master in England machen können. Ich hatte auch beim Berufseinstieg Schwierigkeiten, weil ich keine Kontakte hatte und ich nicht wusste, wie der Berufseinstieg überhaupt funktioniert, weil meine Eltern nie gearbeitet haben, seitdem wir in Deutschland sind.”

Natalya kämpft mit Netzwerk Chancen für Chancengleichheit
Natalya kämpft mit Netzwerk Chancen für Chancengleichheit

Vernetzung und Individuelle Förderung von Bildungsaufsteiger:innen

“Ehrenamt bedeutet für mich Inspiration, neue Fähigkeiten erlernen und etwas zurückzugeben. Das macht sehr glücklich. Wir haben mittlerweile vier Hauptamtliche, die in Teilzeit arbeiten. Die Stellen werden von drei Stiftungen und über Unternehmenskooperationen finanziert. Ansonsten haben wir noch 30 Ehrenamtliche aus ganz Deutschland.”

“Was wir anbieten, ist ein individuelles Förderprogramm für soziale Aufsteiger:innen, das sind junge Erwachsene zwischen 18 und 39 Jahren. Wir haben uns sehr bewusst für so eine große Altersspanne entschieden, da besonders soziale Aufsteiger:innen oft über den zweiten Bildungsweg studieren und relativ spät in den Beruf einsteigen. Uns war wichtig, im Gegenteil zu vielen anderen Initiativen, die es schon gibt, eine Lücke zu schließen: Wir begleiten soziale Aufsteiger:innen auch nach Berufseinstieg noch ein paar Jahre. Mittlerweile fördern wir über 1.100 junge Menschen und nehmen auch laufend Talente auf.”

Kostenlose Angebote bedeuten Chancengleichheit

“Bei uns gibt es Workshops zu Themen wie Rhetorik, Mindset, Networking, Karriereplanung, also alles Themen, die Bildungsaufsteiger:innen fehlen. Wir bieten auch Arbeitgeber:innen-Kontakte an, da viele Jobs heutzutage über Vitamin B vergeben werden. Auch kostenlose Einzelcoachings gehören zum Programm, was super gut ankommt, weil das etwas ist, was oftmals sehr viel Geld kostet und für unsere Mitglieder kostenlos ist. Es gibt auch Inspirational Talks, da laden wir berühmte Aufsteiger:innen ein, die dann erzählen wie sie es geschafft haben. Wir hatten z.B. Pinar Atalay da, die Tagesthemen Moderatorin oder Fredi Bobic, den Fußballmanager. Und auch Mentoring bieten wir an.“

Soziale Herkunft als Diversity-Faktor

“Wir kämpfen dafür, dass soziale Herkunft als Diversity-Faktor anerkannt wird. Das ist ein sehr großes Thema, weil es ja sehr viele Diversity-Initiativen in Deutschland gibt, wo aber nicht auf soziale Herkunft geachtet wird. Momentan strebt kaum jemand an, auch soziale Diversität zu schaffen mit Menschen, die aus verschiedenen sozialen Schichten kommen. Dafür kämpfen wir auch sehr stark. Da beißen wir auch bisschen auf Granit, das ist gar nicht so einfach, wie ich es mir am Anfang vorgestellt habe. Bildungsaufsteiger:innen sind ja eigentlich super wertvolle Mitarbeiter:innen, da sie sich durchbeißen mussten, weil sie lösungsorientiert sind, weil sie sehr flexibel sind, da sie zwischen ihrem Herkunftsmilieu und ihrer jetzigen sozialen Schicht jonglieren müssen. Wir versuchen, Unternehmen klarzumachen, wie wertvoll Bildungsaufsteiger:innen als Arbeitnehmer:innen sind, aber es ist wirklich schwieriger, als ich es mir vorgestellt habe.”

Bildungsaufstieg für alle erleichtern

“Womit wir eigentlich 2016 angefangen haben, ist Advocacy Arbeit. Wir haben ein Netzwerk aus Organisationsmitgliedern aus mittlerweile über 50 zivilgesellschaftlichen Organisationen ins Leben gerufen, mit denen wir zusammen für systemischen Wandel für mehr Chancengleichheit in Deutschland einstehen. Wir von Netzwerk Chancen treten dafür ein, dass das mehrgliedrige Schulsystem abgeschafft wird, da es Kindern Steine in den Weg legt. Wir treten dafür ein, dass alle Kinder bis zum Abitur – wenn sie es machen wollen und die Leistungen dafür erbringen – auf der gleichen Schule bleiben können und da individuell gefördert werden. Wir möchten den Mitgliedern mitgeben, dass sie und jeder Mensch sehr viele Talente hat unabhängig von der sozialen Herkunft und dass sie dafür kämpfen sollten, diese Talente zu entfalten, um auch Jobs zu haben, die ihren Talenten und Stärken entsprechen.”

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