Als ich in der Grundschule war, hatten wir das Fach “Gartenarbeit”. Ich musste also einmal pro Woche Unkraut aus den Beeten reißen, Samen säen und Pflanzen gießen und mich fragen, was das Ganze sollte. Was Pflanzen genau zur Photosynthese brauchen, habe ich zwar im Laufe der Jahre verstanden, aber gleichzeitig auch nicht. Das zeigte sich spätestens, als ich auszog und mir meine erste Pflanze kaufte. Tod nach einer Woche, obwohl sie an einem sonnigen Plätzchen stand und regelmäßig gegossen wurde. Selbst Kakteen (!) starben mir weg, obwohl jeder zu mir meinte, dass dies unmöglich sei. Ich fühlte mich wie eine Pflanzenhasserin, obwohl ich die Mutter aller Pflanzen sein wollte.

Ich liebe Pflanzen! Sie sind nämlich nicht nur Dekoration, Hobby, Statussysmbol oder gar der ideale Kinderersatz für die Generation Y (behauptet zumindest Taylor Bryant), vor allem sind sie Wunderreiniger (die US-Raumfahrtbehörde NASA sagt, Pflanzen seien starke, natürliche Luftreiniger), Balsam für die Seele (die Wissenschaft sagt, ein grünes Zuhause kann Stress und Angst reduzieren) und ein kleiner aber feiner Beitrag zum Klimaschutz.

Wie das? Besonders in den kalten Monaten heizen wir wie die Verrückten und erhöhen damit den klimaschädlichen CO2 Ausstoß. Die trockene Luft suggeriert uns nämlich eine niedrigere Zimmertemperatur und wir denken automatisch: Los, noch mehr heizen! Das ist dann nicht nur ein Tritt in Mutter Erdes Hintern sondern auch wirklich fatal für unseren Geldbeutel. Denn wird die Raumtemperatur um nur einen Grad erhöht, dann steigen die Heizkosten um circa sechs Prozent! Daher empfiehlt sogar der Fachbereich für Umweltschutz und Entsorgung die Luftfeuchtigkeit ganz natürlich mit Zimmerpflanzen zu erhöhen.

Auch ich will Heizkosten sparen und der Erde Danke sagen! Aber wie schaff ich das als Serienmörderin? Da der Vater sich seit seiner Jugend proaktiv für nachhaltige und klimafreundliche Lebensweisen einsetzte, lag Andi – im Gegensatz zu mir – bereits als Kind die Natur sehr am Herzen. Ich habe ihn ins MACHWERK eingeladen, um über Klimaschutz und Pflanzen zu sprechen und herauszufinden, was ich im Alltag alles tun kann, um mir und Mutter Natur viel Gutes zutun:

“Klimaschutz ist natürlich nicht nur spaßig. Denn um nachhaltig zu leben, muss man auf viele Dinge verzichten. Es erfordert viel Kraft und Selbstbewusstsein, in einer kapitalistischen Gesellschaft damit zufrieden zu sein, nicht immer das neuste und beste Produkt haben zu müssen. Wenn man es aber schafft, sich davon zu lösen, macht das Leben auch noch Spaß, weil es einfach so viel gibt, das nichts mit Konsum zu tun hat und uns Menschen trotzdem glücklich macht. Man sieht die Welt mit ganz anderen Augen.”

Andreas ist 27,, Fotograf, Magickartenfan und Pflanzenfreund.

GoVolunteer: Hey Andi, was denkst Du, wenn Du den Begriff Klimaschutz hörst?

Hauptsächlich denke ich darüber nach, wie ich persönlich einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann und das in jeder einzelnen Handlung: im Alltag, in der Arbeit und in meiner Freizeit. Viel lässt sich bei der Ernährung machen, weil man beispielsweise keine Erdbeeren im Dezember braucht oder Mangos und Avocados in rauen Mengen. Grundsätzlich ist das eigene Konsumverhalten eines der wichtigsten Instrumente, das einer Einzelperson neben politischer und aktivistischer Tätigkeit zur Verfügung steht.

GoVolunteer: Inwiefern beeinflusst Dich das Thema in Deinem Leben?

Da ich mich schon lange mit dem Thema beschäftige, haben sich meine Gewohnheiten nicht großartig geändert, weil ich von Anfang an versucht habe, einen möglichst kleinen Fußabdruck zu hinterlassen. Was sich jedoch verändert hat, ist mein Kaufverhalten. Als Jugendlicher will man modisch noch vorne mit dabei sein und sich beweisen, aber mit dem Alter kommt das Selbstvertrauen und man merkt, dass es nicht mehr so sehr um Äußerlichkeiten geht. Jetzt kaufe ich nur noch Kleidung, wenn die vorhandenen Sachen sich auflösen. 

Im Freundeskreis rede ich zwar über das Thema, stoße da aber oft auf taube Ohren. Trotzdem glaube ich, dass ich durch mein Verhalten anderen die Möglichkeiten zu einem nachhaltigen Leben aufzeige, selbst wenn ich sie nicht proaktiv zu missionieren versuche.

 “Grundsätzlich ist das eigene Konsumverhalten eines der wichtigsten Instrumente, das einer Einzelperson neben politischer und aktivistischer Tätigkeit zur Verfügung steht.

GoVolunteer: Wie trägst Du denn zum Umweltschutz bei?

Wie bereits erwähnt, kaufe ich Kleidung und andere Gebrauchsgegenstände möglichst nur ein, wenn es absolut notwendig ist. Indem ich zuhause versuche Pflanzen eine gute Umgebung zu bieten, um zu wachsen und zu gedeihen, kann ich Mutter Erde hoffentlich etwas zurückzugeben. Denn zum einen ist es ja erwiesen, dass uns schon der Anblick von Pflanzen beruhigt und entspannt. Zum anderen sorgen sie auch für ein gutes Raumklima. Man muss nur ein bisschen aufpassen, weil Pflanzen in der Nacht auch Sauerstoff verbrauchen und CO2 ausstoßen. Darüber hinaus macht die Pflege von Zimmerpflanzen einfach Spaß. Es hat etwas sehr meditatives und Pflanzen belohnen gute Pflege mit schönem Wuchs, von dem man wiederum profitiert.

GoVolunteer: Hast du eine Lieblingspflanze?

Ich hab etwa 30 Pflanzen, obwohl ich glaube, dass mein Bonsai es nicht mehr lange macht. Am liebsten hab ich meine Zimmercalla (eine domestizierte Version der Zantedeschia aethiopica); sie hat wunderschöne Blätter und hält Winterschlaf. Monsteras mag ich auch gerne, finde es einfach super spannend, ihr beim wachsen zuzusehen.

 “[Ich würde] also sagen, dass eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Ansprüchen jeder Pflanze bereits die halbe Miete für eine glückliche gemeinsame Zukunft ist.”

GoVolunteer: Gibt es Besonderheiten, die man beachten sollte, wenn man sich Pflanzen anschafft?

Natürlich ist das Wissen über den richtigen Standort schon Teil der guten Pflege jeder Pflanze. Man sollte beim Kauf schon wissen, ob man zuhause überhaupt einen Platz hat, der der Pflanze gut tut. Wie oft man düngen und gießen sollte, ist bei jeder Pflanze individuell, darüber sollte man sich aber unbedingt  informieren. Ich sehe es in meinem Freundeskreis oft, dass Leute es gut mit ihren Pflanzen meinen, sie dadurch aber einfach ertränken. Ein guter Weg, um die richtige Pflege zu gewährleisten ist es, sich nach dem Kauf der Pflanze Bild und Name im Handy zu speichern, sodass man jederzeit googlen kann, was die Pflanze braucht, selbst wenn man sie schon drei mal umgetopft hat und dabei ihren Namen vergessen hat. 

Vor dem Kauf sollte man sich auch informieren, ob die Pflanze für alle Bewohner des Hauses unbedenklich ist. Es gibt ein paar sehr schöne Pflanzen, die aber z.b für Katzen hochgiftig sind und dadurch entweder einen sicheren Standort brauchen oder gegebenenfalls vermieden werden sollten. Zusammenfassend würde ich also sagen, dass eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Ansprüchen jeder Pflanze bereits die halbe Miete für eine glückliche gemeinsame Zukunft ist.

GoVolunteer: Was wäre eine gute “Einstiegspflanze”?

Die Zamioculcas zamiifolia ist eine Pflanze, die sehr pflegeleicht ist und auch ein paar Fehler in der Pflege aushält. Eine gute Pflanze für Einsteiger mit tollen, dunkelgrünen Blättern.

GoVolunteer: Was sind denn so die drei basic Pflanzenpflegeskills?

Richtig platzieren, richtig wässern, richtig düngen.

“Meine Motivation ist meine große Liebe zu unserem Planeten.”

GoVolunteer: Wie kann ich als Stadtmensch noch Gutes für die Natur tun?

Abgesehen von aktiven Tätigkeiten, wie zb. Balkonpflanzen für Insekten bereitzustellen oder eigene Nahrung anzubauen (es gibt beispielsweise den Kartoffelsack), kann man als Stadtmensch helfen, indem man sein Konsumverhalten entsprechend anpasst. Ich persönlich kaufe so gut es geht regional und saisonal ein und achte zb. bei Honig darauf, dass er von deutschen Imkern kommt, weil mir die Erhaltung der heimischen Flora durch intakte Fauna wichtig ist. Meine Motivation ist meine große Liebe zu unserem Planeten. Wir sind es zu sehr gewohnt, dass er uns und allen anderen Organismen einfach so Lebensraum zur Verfügung stellt, uns die Luft zum Atmen bereitstellt, Süßwasser aufbereitet und das alles FOR FREE – ohne jemals was von uns zu verlangen. Mir liegt es sehr am Herzen, dass die Generation(en), die nach mir kommen, sich über die gleichen Tiere freuen können, über die ich mich als Kind gefreut habe und ich finde es nur fair, wenn jeder, der nach mir kommt, die Welt in dem gleichen Zustand vorfindet, in dem ich sie auch zur Verfügung hatte. Denn wer bin ich, dass ich es mir rausnehmen könnte, etwas zu zerstören, das mir nicht gehört?

“Man muss sich auch davon verabschieden, sich klein und unbedeutend zu fühlen. Jeder tut das, was er kann und leistet damit seinen Beitrag zum großen Ganzen.”

GoVolunteer: Wie kann ich einen Beitrag zum Klimaschutz leisten?

Da der Klimawandel ja mittlerweile auch in den Mainstreammedien ein großes Thema ist, muss man gar nicht mehr lange suchen, um zu erfahren, an welchen Stellschrauben man persönlich drehen kann, um einen Beitrag zu leisten. Wenn man sich engagieren will, ist das ja schon der erste und entscheidende Schritt in die richtige Richtung, denn das wichtigste an der ganzen Sache ist die innere Einstellung. Man muss sich auch davon verabschieden, sich klein und unbedeutend zu fühlen. Jeder tut das, was er kann und leistet damit seinen Beitrag zum großen Ganzen. Auf alle Fälle ist es wichtig bei jeder Wahl die Stimme abzugeben, denn damit kann man die Ausrichtung einer ganzen Gesellschaft mitbestimmen!

Töte ich Pflanzen, weil ich faul bin und mich nicht ausreichend über ihre Bedürfnisse informiere? Korrekt. Sollte ich mal mein Engagement überdenken? Allerdings. Mittlerweile gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um bequem (!) und gleichzeitig verantwortungsbewusst Pflanzen zu pflegen. Beispielsweise verwende ich PlantSnap zur Pflanzenerkennung und um das regelmäßige Gießen nicht zu vergessen sowie GreenBalcony und SmartPlant, um offene Fragen zur Pflege und Zucht zu beantworten.

Wir müssen darüber nachdenken, was für Menschen wir sein wollen. Lasst uns unseren Planeten so gestalten, dass sowohl Menschen als auch Tiere und Pflanzen so leben können, wie sie es verdient haben.

Wir müssen darüber nachdenken, was für Menschen wir sein wollen. Lasst uns unseren Planeten so gestalten, dass sowohl Menschen, Tiere und Pflanzen so leben können, wie sie es verdient haben.

Wie Du Dir beispielsweise in einem Gemeinschaftsgarten erste Skills aneignen kannst, um Deine Pflanzen zu pflegen und gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt, für Insekten und für deine Mitmenschen tun kannst, erfährst Du unter www.govolunteer.com

Über den Autor

Trang kommt ursprünglich aus Dresden und lebt seit 2010 in Berlin. Sie studiert an der TU Sprache und Kommunikation und fokussiert sich auf die Themen Herkunft, Rassismus und (Geschlechter-)rollen. Durch ihren bikulturellen Background versucht sie ihre Erfahrungswerte mit ihren Mitmenschen zu teilen und neue Perspektiven aufzuzeigen.