Ninia LaGrande, Moderatorin, Autorin und Slam Poetin hat uns von ihren Erfahrungen mit ihren Bestrebungen für mehr Inklusion und Feminismus berichtet. Ninia LaGrande, die jenseits der Bühnen Ninia Binias heißt, ist als Poetry Slammerin und Bloggerin bekannt geworden. Ihre Themen reichen von Fashion bis Feminismus über Inklusion bis zu Netz- und Popkultur – in allen Farben des Humors. Ähnlich breit sind inzwischen auch die Formen ihrer Unterhaltung und ihres Aktivismus aufgestellt. Neben der Moderation von Events führt sie ihr Publikum auch durch eigene Fernsehshows oder ist in Comedysendungen zu Gast – stets am Puls der Zeit. Wir hatten das große Glück, mit Ninia über ihr Engagement für mehr Inklusion und Feminismus zu sprechen.

GoVolunteer: Mit welchen Argumenten begegnen dir Menschen, die gegen mehr Inklusion bspw. an unseren Schulen sind, am häufigsten und was erwiderst du darauf?

Ninia: Tatsächlich begegnen mir einzelne Menschen, die dagegen sind, sehr selten. Es ist eher das System, das krankt und das Umsetzen des Menschenrechts Inklusion aktuell nicht möglich macht. Argumente, die mir trotzdem begegnen, sind unter anderem, dass Inklusion zu sehr den Fokus auf „benachteiligte“ Schüler*innen setzt und die Guten dann wiederum nicht gefördert werden würden. Was ja Blödsinn ist, weil die Niveaus in einer Klasse schon jetzt sehr unterschiedlich sind und diese Anforderung nichts Neues ist. Oder dass Schüler*innen mit Behinderung sich an Förderschulen wohler fühlen würden, weil sie unter sich sind und nicht gemobbt werden. Ich will niemandem absprechen, dass diese Person sich dort wohl fühlt. Aber Mobbing gibt es überall – da sollte der Ansatzpunkt ein anderer sein. Und: Wenn alle gemeinsam in einer Schule wären, wären auch dort wieder alle unter sich. Unabhängig von jeder Diskussion: Inklusion ist ein Menschenrecht. Und wer sich gegen Menschenrechte stellt, hat Demokratie nicht verstanden.

GoVolunteer: Viele Menschen sind sich vielleicht unsicher, wie sie Menschen mit Behinderung begegnen sollen. Was kann jeder Mensch in seinem Alltag tun, um Inklusion zu fördern?

Ninia: Menschen sind unsicher, weil sie so selten im Leben Kontakte mit Menschen mit Behinderung haben. Man sollte sich mal umgucken, wenn man im Freund*innenkreis hat, der*die eine Behinderung hat. Und eben nicht nur das eine Kind, das man im Zivi begleitet hat oder die Oma, die nicht mehr so gut laufen kann. Im Alltag können Menschen sich dafür einsetzen, dass Orte und Veranstaltungen barrierefrei sind. Nachfragen, warum sie es nicht sind –  auch, wenn man selbst keine Behinderung hat. Sich informieren, wie die Situation für Menschen mit Behinderung in Deutschland ist. Expert*innen in eigener Sache auf Social Media folgen. Zuhören. Den Newsletter von Raúl Krauthausen abonnieren. Was sie nicht tun sollten: Zu Weihnachten etwas von einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung kaufen. Damit unterstützen sie nur eine Industrie, die mit Menschen mit Behinderung Geld verdient, sie aber nicht fördert oder fordert.

GoVolunteer: Was hat dich besonders motiviert und motiviert dich immer wieder, dich feministisch und für Menschen mit Behinderung zu engagieren?

Ninia: Alle Ungerechtigkeiten, die ich selbst erlebt habe oder die ich im Freund*innenkreis erlebe. Mein Bewusstwerden über meine eigenen Privilegien und der Ur-Wunsch, die Welt besser für alle machen zu wollen.

GoVolunteer: Wie unterscheiden sich die Probleme, denen Feminist*innen und Aktivist*innen, die sich für Menschen mit Behinderung einsetzen, begegnen? Wie ähneln sie sich? Was können beide voneinander lernen?

Ninia: Ich glaube nicht, dass es vorrangig darum gehen sollte, was Aktivist*innen voneinander lernen können, sondern was andere von Aktivist*innen lernen können. Grundsätzlich haben sicherlich viele Aktivist*innen –  egal in welchem Bereich – das Gefühl gegen Wände zu sprechen. Der Fokus ist sicher unterschiedlich. Aber mein Feminismus ist intersektional, das heißt ich denke immer mehrere Ebenen mit – und eben auch die von Menschen mit Behinderung.

GoVolunteer: Welche Vorbilder hast du für dein Engagement? Wie fühlt es sich an, nun selbst Vorbild zu sein?

Ninia: Es gibt natürlich einige Menschen, deren Arbeit ich sehr schätze und die ich immer wieder gerne empfehle und feiere: Laura Gehlhaar, Jackie Thomae, Stella Young, Christiane Link, Margarete Stockowski, Alice Hasters… Ein konkretes Vorbild habe ich nicht. In meiner Kindheit und Jugend gab es keine kleinwüchsigen, coolen Frauen, die auf meinem Radar gewesen wären. Also musste ich selbst eines werden ;).

Sebastian Pohl Author GoVolunteer

Über den Autor

Sebastian ist Praktikant im Communications Team bei GoVolunteer. Nachdem er Philosophie und Psychologie studiert hat, ist er jetzt einer von denen, die neu nach Berlin gekommen sind. Er interessiert sich für Literatur, Debatten, Philosophie – für alles mit Worten und Sprache.