SOCIAL ENTREPRENEURSHIP KOLUMNE

Malte hat GoVolunteer gegründet. In seiner Kolumne “Social Entrepreneurship” teilt er Geschichten und Erfahrungen beim Aufbau eines sozialen Startups. Mit dabei sind Tipps und Guidelines für angehende Gründer und Sozialunternehmer. Im folgenden Beitrag beschreibt er Wege, eine klare Vision für ein Start-up zu formulieren und umzusetzen.

Die Vision in sich tragen: Gründungsmotivation

Marketing ohne eine klare, überzeugende Vision ist wie ein Glas ohne Inhalt: uninteressant und schnell durchschaubar. Deswegen ist es so wichtig, gleich zu Beginn einer jeden Unternehmensgründung ausreichend Zeit in die präzise Formulierung der Vision zu investieren. Denn dieses „Statement“ bildet das Fundament für alle später folgenden Aktivitäten – von der Strategieentwicklung über Branding bis zur Kommunikation im Alltag.

Die Vision muss zunächst von den Gründern selbst kommen. Jeder Gründer trägt sie als Gründungsmotivation in sich. Denn sie sollte eine Antwort auf die entscheidende Frage beinhalten: Was will ich verändern und wofür wird mein Unternehmen gebraucht?

Die Vision nach außen tragen: Das Vision Statement

Wie erwähnt ist es jedoch nicht ausreichend, die Vision implizit zu verfolgen und als inneren Kompass zu verwenden. Erfolg stellt sich dann ein, wenn der Gründer im Stande ist, sie klar und überzeugend nach außen zu kommunizieren. Hierfür ist ein sogenanntes Vision Statement ein guter Weg: Das Vision Statement ist ein präzise formulierter Satz, der beschreibt, was eine Organisation langfristig verändern möchte. Dieses langfristige Ziel wird hier in einer Weise formuliert, die Menschen schnell verstehen, in Erinnerung behalten und leicht an andere weitergeben können. Wichtig dabei: Dream big and focus on success!

Ein mögliches Format sieht folgendermaßen aus: „Wir wollen der X für Y sein – und damit Y helfen Z zu erreichen.“ Gute Beispiele für starke, aussagekräftige Vision Statements bieten die Zielformulierungen, hinter denen sich große, internationale NGOs und NPOs versammeln. Das Prinzip dahinter – Klarheit, Langfristigkeit und Aufbruchsstimmung – ist auch auf den kommerziellen Sektor anwendbar. Im Folgenden liste ich 10 erfolgreiche Beispiele im englischen Original auf:

Die Vision im Team weiterentwickeln und verinnerlichen

Die Formulierung, Überprüfung und Weiterentwicklung der Unternehmensvision ist ein kontinuierlicher Prozess, der stets vom Top-Management begleitet werden sollte. Die Kunst besteht darin, auch Mitarbeiter*innen und Partner*innen dauerhaft in diesen Prozess einzubeziehen. Bei GoVolunteer formuliert jedes Team (z.B. Communications, Community, Partnerships, Learning, Development, Fundraising) eine eigene Vision, die sich in die Gesamtvision einfügt und die dauerhafte Wirkung beschreibt, die das entsprechende Team für unsere Zielgruppen erreichen möchte. Wir halten regelmäßig Strategie-Workshops ab, in denen alle Mitarbeiter die Möglichkeit haben, ihr Verständnis der GoVolunteer-Vision zu äußern und an ihrer Weiterentwicklung mitzuwirken. Wir haben diese Workshops inzwischen auch für andere Startups geöffnet, die wir dabei unterstützen Ihre eigene Unternehmensvision zu entwickeln und zu verinnerlichen.

Dabei hört es nicht auf: Die Unternehmensvision muss im Arbeitsalltag Einzug halten. Sie muss der Startpunkt für jede Aktivität und jedes operative Ziel im Unternehmen sein. Der Test für jeden Mitarbeiter bei GoVolunteer lautet: Leiste ich durch das, was ich gerade tue, einen Beitrag zur Verwirklichung der GoVolunteer-Vision? Wenn ich diese Frage mit nein beantworte, sollte ich es bleiben lassen und mich anderen Prioritäten zuwenden.

Die Vision nachhaltig machen: Das Mission Statement

Ein nützlicher Zwischenschritt für diese nachhaltige Implementierung des Visionsgedankens ist die Konkretisierung in einem Mission Statement. Dieses listet konkrete Wirkungsziele bezogen auf alle Zielgruppen auf. Operationalisiert werden können diese „Impact Goals“ durch das System der Objectives & Key Results (OKRs), das Google seit den 90er Jahren flächendeckend verwendet. Das Großartige daran: Jede*r Mitarbeiter*in kann zu jedem Zeitpunkt klar nachvollziehen, welchen Beitrag seine Tätigkeit zur Verwirklichung der Unternehmensvision leistet. Das große Ganze im Blick zu haben, motiviert, schafft Identifikation und erzeugt Stolz auf die eigene Leistung.

Über den Autor

Malte Bedürftig ist Gründer und CEO von GoVolunteer. Er verfügt über 10 Jahre Berufserfahrung als Management-Berater. Während seiner Beratungstätigkeit konzentrierte er sich auf Projekte im öffentlichen und sozialen Sektor und entwickelte besondere Expertise in den Bereichen Strategie und digitale Technologien.

2015 gründete Malte das soziale Startup GoVolunteer mit dem Ziel, jedem Menschen die Chance zu geben, unser gesellschaftliches Zusammenleben durch ein persönliches Engagement mitzugestalten. Heute leitet Malte GoVolunteer und unterstützt als freiberuflicher Experte und Coach Unternehmen, öffentliche Institutionen und Non-Profit-Organisationen in den Bereichen Strategie, soziale Verantwortung und Organisationsentwicklung.