Die Schlagzeilen um den Fleischkonzern Tönnies werden zwar immer weniger, aber das Grundproblem ist damit noch lange nicht geklärt: Aufgrund der hohen Infektionszahlen mit Covid-19 sind nicht nur die Arbeitsbedingungen in die Kritik geraten, sondern auch die Haltebedingungen der Tiere. Mit Ausblick auf die Folgen für Mensch und Umwelt wird immer mehr auf bewussten Konsum gedrängt. Wie unsere Ernährung mit Natur- und Artenschutz zusammenhängt, erfahrt Ihr in diesem Artikel. 

Wir essen zu viel Fleisch.

Der Bedarf an Fleisch ist in Industriestaaten wie Deutschland hoch. Pro Kopf, oder Magen,  kommen die Deutschen jährlich auf ca. 60 kg – fast doppelt so viel wie von der Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen. Daher ist es wenig verwunderlich, dass deutsche Agrarflächen der enormen Nachfrage nicht gerecht werden können. Die unschöne Lösung? Tierfutter-Anbau und tierische Produkte aus dem Ausland.

Global betrachtet werden 70 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche weltweit für Tierhaltung beansprucht – Tendenz steigend. Soja, das in der Tierfütterung eine wichtige Rolle spielt, wird häufig aus Ländern wie Brasilien, Argentinien und Paraguay importiert. 

Wenn alle Menschen so lebten wie die Länder des globalen Nordens, wären Ressourcen wie Wasser und Böden bald verbraucht. Die Folgen haben bereits heute andere zu tragen: Ausbreitung von Wüsten, Wasserknappheit und extreme Wetterphänomene als Folge des Klimawandels machen sich vor allem in den Ländern bemerkbar, die ohnehin unter Hunger und Armut leiden. 

Die Vielfalt des Artensterbens

Waldrodungen und landwirtschaftliche Prozesse sind maßgeblich für das fortschreitende Artensterben von faszinierenden Tieren wie Ameisenbären, Baumozelote oder Kragenfaultiere verantwortlich. Insektizide und Pestizide töten neben den Schädlingen auch andere Lebewesen und Pflanzen. Ihr Lebensraum wird vergiftet und sie zurückgedrängt. Dass Arten durch die Bebauung der Flächen ausgerottet werden, ist bereits vielen bekannt.

Doch auch in den Ozeanen sieht es nicht viel besser aus. Die Meere bedecken 71 Prozent der Erdoberfläche. Darin beherbergen sie von Plankton über Garnelen bis hin zu gigantischen Kraken über zehn Millionen Arten von Meeresbewohnern. Und auch hier droht der Mensch durch Überfischung und Verschmutzung vielen Arten den Garaus zu machen.

Die Logik ist hier sehr einfach: Veganer und Vegetarier tragen hier aktiv zum Artenerhalt bei, indem sie diese Produkte nicht konsumieren. Somit stellen sie sich gegen diese Art der Ausbeutung. Zusätzlich würde sich globaler Hunger verringern: Würde die gesamte heutige Getreideernte zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden statt zu Futtermitteln für Rinder, Schweine oder Geflügel, dann könnten 4 Milliarden Menschen mehr ernährt werden.

Die indirekten Folgen der Landwirtschaft

Tierische Produkte haben nicht nur negativen Einfluss auf die Umwelt, sondern auch auf das globale Klima [Hier erfährst Du den Unterschied zwischen Umwelt- und Klimaschutz].

Fleisch macht zwar nur 9 Prozent unserer gesamten Ernährung aus, verursacht aber 43 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgas-Emissionen und heizt somit die Erderwärmung weiter an. Klimawandel kennt aber keine Grenzen. 

Die Weite der Klimafolgen umfasst Veränderungen der Artenverteilung auf der Welt, der jahreszeitlichen Entwicklungen, sowie der Zusammensetzung der Arten. All das beeinflusst die Struktur und die Funktionsweise vieler Ökosysteme. Schon heute wirkt sich der Klimawandel auf knapp die Hälfte aller gefährdeten Säugetiere an Land negativ aus, zumindest in einem Teil ihres Verbreitungsgebiets. 

Musst Du nun vegan werden?

Jein. Natur- und Artenschutz ist kein Thema was man Singular betrachten kann – ähnlich wie Veganismus. Menschen entscheiden sich aus den verschiedensten Gründen für die vegane Ernährungsweise. Aber zum einen ist es nicht wahrscheinlich, dass sich die gesamte Welt pflanzenbasiert ernährt, und zum anderen ist es auch nicht die einzig wahre Lösung, um das Artensterben zu stoppen.

Es gilt, ein kollektives Empfinden und Verständnis für diese Problematik zu schaffen:  Sich bewusst zu ernähren und zu wissen, was meine Entscheidung für meine Mitmenschen im Inland und Ausland bedeutet. Zu fühlen, was es für andere Lebewesen, klein und groß, heißt. Solche Informationen und kritische Selbstreflexionen können Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit in uns auslösen. Aber vielleicht liegt darin auch etwas Motivierendes: Denn nach der Selbstreflexion WISSEN wir, welche Auswirkungen unser Konsum hat, und wie weit diese über unseren Tellerrand und unsere Ländergrenzen hinausreichen. Und daher WISSEN wir dann auch, wie wir unseren Konsum verbessern und somit Tier, Mensch und Umwelt schützen können. 

Vegan werden ist der eine Weg, doch es gibt noch viele weitere Möglichkeiten sich für den Natur- und Artenschutz einzusetzen. Wir arbeiten gerade fleißig an unserer neuen Plattform GoNature, bei der Du bald ganz gezielt spannende Projekte im Natur- und Artenschutz ehrenamtlich unterstützen kannst. Folge uns am besten schon bei Instagram unter @gonature_de, um als Erstes davon zu erfahren, wenn wir online gehen!