Natalya kämpft für Chancengleichheit und sozialen Aufstieg

Published On: 28.07.2022|Kategorien: Volunteers kennenlernen|11.3 min read|

Chancengleichheit bedeutet laut der Bundeszentrale für politische Bildung, dass „niemand wegen seiner sozialen Herkunft, seines Geschlechts, seiner Hautfarbe, seiner Religionszugehörigkeit oder wegen anderer persönlicher Merkmale im Vorteil oder im Nachteil sein“ darf. Das ist in Deutschland doch sowieso schon so, oder? Leider nein! Auch in Deutschland hängt zum Beispiel der Bildungserfolg stark von der sozialen Herkunft ab. Dieses Problem wollte Natalya nicht mehr länger ignorieren und hat deshalb 2016 das Netzwerk Chancen gegründet. Im Interview erzählt sie uns mehr über die Motivation für ihr Ehrenamt und ihre Organisation.

Natalya hat ihre eigene Organisation für Chancengleichheit gegründet

Natalya hat 2016 Netzwerk Chancen gegründet. Die Initiative kämpft seitdem für mehr Chancengleichheit von sozial Benachteiligten. Natalya leitet Netzwerk Chancen ehrenamtlich neben ihrem Vollzeitjob bei einer Unternehmensberatung. Ihre Familie hat selbst eine Migrationsgeschichte und bezieht HartzIV. Das war für Natalya auch die Motivation und der Grund, Netzwerk Chancen zu gründen.

Ich hatte selbst einen sehr schwierigen Bildungsweg, durfte nie Abitur machen und habe nur über Umwege meinen Master in England machen können. Ich hatte auch beim Berufseinstieg Schwierigkeiten, weil ich keine Kontakte hatte und ich nicht wusste, wie der Berufseinstieg überhaupt funktioniert, weil meine Eltern nie gearbeitet haben, seitdem wir in Deutschland sind.

Natalya kämpft mit Netzwerk Chancen für Chancengleichheit

© Sebastian Stöhr

Natalya will Bildungsaufsteiger:innen individuell fördern und vernetzen

Ehrenamt bedeutet für mich Inspiration, neue Fähigkeiten erlernen und etwas zurückzugeben. Das macht sehr glücklich.

Aus dieser Überzeugung heraus engagiert sich Natalya ehrenamtlich neben ihrem Vollzeitjob bei Netzwerk Chancen. Mit ihr zusammen arbeiten vier Hauptamtliche an der Umsetzung ihrer Vision. Außerdem gibt es noch über 30 Ehrenamtliche aus ganz Deutschland, die das Team unterstützen. Die Idee: Ein individuelles Förderprogramm für soziale Aufsteiger:innen. In diesem Fall sind das junge Erwachsene zwischen 18 und 39 Jahren. Die Spanne ist dabei sehr groß gewählt,  da besonders soziale Aufsteiger:innen oft über den zweiten Bildungsweg studieren und oftmals vergleichsweise spät in den Beruf einsteigen.

Uns war wichtig, im Gegenteil zu vielen anderen Initiativen, die es schon gibt, eine Lücke zu schließen: Wir begleiten soziale Aufsteiger:innen auch nach Berufseinstieg noch ein paar Jahre. Mittlerweile fördern wir über 1.100 junge Menschen und nehmen auch laufend Talente auf.

Kostenlose Angebote supporten Chancengleichheit

Um Chancengleichheit zu fördern, sind alle Angebote beim Netzwerk Chancen kostenlos. Es gibt Workshops zu Themen wie Rhetorik, Mindset, Networking, Karriereplanung. Außerdem werden Arbeitgeber:innen-Kontakte vermittelt, da viele Jobs heutzutage über Vitamin B vergeben werden. Das Angebot wird immer weiter ausgebaut:

Auch kostenlose Einzelcoachings gehören zum Programm, was super gut ankommt, weil das etwas ist, was oftmals sehr viel Geld kostet und für unsere Mitglieder kostenlos ist. Es gibt auch Inspirational Talks, da laden wir berühmte Aufsteiger:innen ein, die dann erzählen wie sie es geschafft haben. Wir hatten z.B. Pinar Atalay da, die Tagesthemen Moderatorin oder Fredi Bobic, den Fußballmanager. Und auch Mentoring bieten wir an.

Natalya kämpft mit Netzwerk Chancen für Chancengleichheit

© Sebastian Stöhr

Soziale Herkunft als Diversity-Faktor

Natalya kämpft mit ihrem Team dafür, dass soziale Herkunft als Diversity-Faktor anerkannt wird. Das ist ein sehr großes Thema, da es in Deutschland zwar sehr viele Diversity-Initiativen gibt, bei denen aber oft nicht auf die soziale Herkunft geachtet wird. Der Weg ist oft steinig:

Da beißen wir auch bisschen auf Granit, das ist gar nicht so einfach, wie ich es mir am Anfang vorgestellt habe. Bildungsaufsteiger:innen sind ja eigentlich super wertvolle Mitarbeiter:innen, da sie sich durchbeißen mussten, weil sie lösungsorientiert sind, weil sie sehr flexibel sind, da sie zwischen ihrem Herkunftsmilieu und ihrer jetzigen sozialen Schicht jonglieren müssen. Wir versuchen, Unternehmen klarzumachen, wie wertvoll Bildungsaufsteiger:innen als Arbeitnehmer:innen sind, aber es ist wirklich schwieriger, als ich es mir vorgestellt habe.

Bildungsaufstieg für alle erleichtern

Seit 2016 betreibt Natalya mit Netzwerk Chancen Advocacy Arbeit.

Wir haben ein Netzwerk aus Organisationsmitgliedern aus mittlerweile über 50 zivilgesellschaftlichen Organisationen ins Leben gerufen, mit denen wir zusammen für systemischen Wandel für mehr Chancengleichheit in Deutschland einstehen. Wir von Netzwerk Chancen treten dafür ein, dass das mehrgliedrige Schulsystem abgeschafft wird, da es Kindern Steine in den Weg legt. Wir treten dafür ein, dass alle Kinder bis zum Abitur – wenn sie es machen wollen und die Leistungen dafür erbringen – auf der gleichen Schule bleiben können und da individuell gefördert werden. Wir möchten den Mitgliedern mitgeben, dass sie und jeder Mensch sehr viele Talente hat unabhängig von der sozialen Herkunft und dass sie dafür kämpfen sollten, diese Talente zu entfalten, um auch Jobs zu haben, die ihren Talenten und Stärken entsprechen.

Setz auch Du Dich für mehr Chancengleichheit ein

Natalyas Story hat Dich motiviert? Dann werde jetzt selbst aktiv! Es gibt in Deutschland super viele Organisationen, die sich für Chancengleichheit einsetzen. Unterstütze zum Beispiel eine dieser Organisationen:

Beim SchlauFox e.V. in Hamburg kannst Du Chancengleichheit voran bringen, indem Du Schüler:innen zum Hauptschulabschluss begleitest.

Mehr zum Projekt
Menschen in einem Klassenzimmer mit White Board, Stühlen und Tischen

Unterstütze Schüler:innen und Newcomer:innen als Virtual Volunteer in Lern- und Konversationsstunden.

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Kind mit Brille vor rosa-rotem Hintergrund

Organisiere in Potsdam bunte Nachmittage rund um das Thema Lesen und supporte damit Chancengleichheit in der Bildung für Kinder im Grundschulalter.

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