Svenja Fuchs klärt über Hass im Netz auf

Published On: 20.12.2021|Kategorien: Online-Volunteering, Volunteers kennenlernen|16.7 min read|

Hass im Netz ist ein Thema, dass  durch die steigende Präsenz der Sozialen Medien in unserem Leben immer mehr an Bedeutung gewinnt. In den Sozialen Medien sind hassvolle Kommentare und Nachrichten keine Seltenheiten – etwa zwei Drittel der Nutzer:innen sind davon betroffen. Das kann erheblichen Schäden auf die Psyche der Betroffenen auslösen: Depressionen, Schlafstörungen, Angstzustände und suizidale Gedanken können Folgen sein. Wir haben mit Svenja Fuchs gesprochen, eine bekannte Influencerin, die sich online unter anderem gegen Hass im Netz einsetzt. In einem Interview erzählt sie uns von ihren Erfahrungen mit Hate Speech, über die Motivation hinter ihrem Engagement und über ihr Leben als Influencerin.

Hass im Netz ist ein Thema, dass immer größer wird, denn die Leute werden immer frustrierter – gerade durch Corona. Dadurch passiert sehr viel Unmut. Die Leute müssen das abladen und das passiert leider häufig auf Social Media.”

1. Wie alles begann

Svenja ist 37 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Hamburg. Sie ist Mutter und lebt mit ihrer kleinen Familie in Berlin. Seit zwei Monaten ist sie jetzt offiziell selbstständig im Bereich Social Media. Ihr Engagement auf Social Media begann , als sie erstmals in der Story-Funktion noch relativ unsicher einige ihrer Gedanken teilte. Mit der Zeit sammelte sie immer mehr Erfahrung, wurde selbstsicherer im Umgang mit Instagram und die Follower:innen-Zahlen stiegen. Svenja beschloss ihre Reichweite für etwas sinnvolles nutzen, anstatt Instagram nur mit leeren Inhalten zu füllen. Sie fing an über Themen zu sprechen die ihr wichtig waren, wie z.B. Mentale Gesundheit, Self Care, Tier- und Kinderschutz.

“Ich wollte Instagram als Sprachrohr nutzen für Lebewesen, die keine eigene Stimme haben und für Menschen, die Menschen wie mich brauchen, weil sie schwere Zeiten durchmachen z.B. aufgrund von Depressionen.  Denn so eine Person hat mir bei meiner Depression damals gefehlt.”

  • Svenja, die sich gegen Hass im Netz einsetzt, eine braunhaarige Frau, steht vor einem braunen Hintergrund. Im Hintergrund sind kahle Bäume im Winter zu erkennnen. Die mittagssonne scheint auf ihr Gesicht.
  • In Schwarz-Weiß sieht man Svenja, die vor einem See steht und mit geschlossenen Augen den Kopf in den Nacken legt. Svenja setzt sich online gegen Hass im Netz ein.
  • Auf dem Foto sieht man Svenjas Gesicht vor einem braunen Hintergrund. Auf ihrem Gesicht liegt ein Sonnenstrahl und die Haare fallen ihr ins Gesicht. Svenja setzt sich online gegen Hass im Netz ein.
  • Im Hintergrund sieht man Wasser. Svenja schaut ernst in die Kamera. Auf ihrem Gesicht liegt ein Sonnenstrahl. Svenja setzt sich online gegen Hass im Netz ein.
  • Svenja und ihre Interviewerin Vanessa sitzen auf einem Baumstamm vor einem See und unterhalten sich. Die Sonne strahlt auf sie. Svenja setzt sich online gegen Hass im Netz ein.

© Sebastian Stöhr

Kinderschutz im Netz

Im Alltag verbindet Svenja ihre Arbeit in den Sozialen Medien mit ihrem Privatleben als Mutter. Sie spricht online über die Freuden und Schwierigkeiten des Mutter-Seins und darüber, warum man sein Kind auch online schützen sollte. Obwohl sie viel Content über das Leben als Mutter postet, zeigt sie dabei nie ihr Kind auf Social Media. Sie rät auch anderen Müttern dazu, dies nicht zu tun, um das Kind und auch sich selbst zu schützen.

“Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre und wir als Erwachsene und Eltern sind dazu da diese zu schützen. Wir Eltern sind wir am leichtesten angreifbar über unsere Kinder. Wenn dich jemand online verletzen will dann macht er das über deine Schwachstelle und das ist in jedem Falle dein Kind.”

Svenja versucht andere Mütter davor zu bewahren  Online-Hass in Bezug auf ihre Kinder zu erfahren. Sie erinnert daran, dass jeder wildfremde Mensch auf diese Bilder und Videos der Kinder zugreifen kann. Man würde ja auch nicht im Bus jedem wildfremden Menschen ein Foto des eigenen Kindes geben, meint Svenja.

2. Die Folgen von Hass im Netz

Svenja selbst erzählt, dass sie relativ selten negative oder hassvolle Kommentare erhält. Wenn das dann doch mal passiert, nimmt sie sich das mittlerweile nicht mehr so zu Herzen. Früher war sie durch solche Kommentare jedoch oft noch verunsichert. Sie ist sehr dankbar, dass sie sich mit ihrem Account in einer sehr offenen und toleranten Community befindet. Einige Kolleginnen haben weniger Glück und mussten schon den ein oder anderen Shitstorm aushalten.

“So etwas ist dann enorm und es tut mir unfassbar leid! Es gibt Kolleg:innen, die dann drüber nachgedacht haben Instagram zu löschen, obwohl sie mit Social Media ihren Lebensunterhalt bestreiten oder durch den Hass so depressiv wurden, dass sie suizidale Gedanken hatten. Man darf das wirklich nicht unterschätzen!”

Neid in Sozialen Medien

Svenja sieht eine Ursache für diesen Hass in den Sozialen Medien darin, dass es auf Instagram gängig ist damit zu prahlen was man hat, was man ist und was man macht. Dieses Phänomen kann Neid hervorrufen, vor allem weil auf Instagram meist nur geteilt wird was gerade gut läuft und Misserfolge eher privat gehalten werden. Svenja hält es für wichtig im Netz authentisch zu bleiben und spricht daher auch öffentlich darüber, wenn es ihr gerade nicht gut geht oder etwas gerade nicht so gut läuft in ihrem Leben. Diese Offenheit und Authentizität schätzen ihre Follower:innen an ihr.

Gerade durch die Pandemie haben viele Menschen ihren Job verloren oder es geht ihnen psychisch nicht besonders gut. Das kann wütend und neidisch machen. Die Leute suchen sich dann eine Art Blitzableiter, der anonym im Internet leicht zu finden ist. Ungefiltert wird dieser Person dann der Frust um die Ohren gehauen.”

Diese Gefühle von Frust und Neid kennt quasi jeder Mensch. Kaum jemand ist frei davon. Laut Svenja ist der Umgang mit diesen Gefühlen der Schlüsselpunkt. Anstatt den Frust bei einer anderen Person abzuladen sollte man sich fragen “Was ist denn gerade mit mir selbst los? Warum fühle ich mich so?”. Die andere Person ist schließlich nur die Projektionsfläche der eigenen Gefühle und nicht die Ursache, weshalb man sich gerade schlecht fühlt.

Der Umgang mit Hass im Netz

Ein richtiger Umgang mit Hass im Netz ist wichtig, um die eigene mentale Gesundheit zu schützen. Hass sollte nie mit Gegenhass bekämpft werden, meint Svenja. Wenn sie ein negative Nachricht bekommt, geht sie manchmal darauf ein und versucht mit der Person über das Problem zu kommunizieren. Sie versucht immer zunächst zuzuhören, um dann eventuell auf einen Nenner zu kommen. Svenja denkt, dass viele frustrierte, wütende Menschen auf diese Weise eigentlich nur nach Aufmerksamkeit und Liebe suchen.

“Manche Menschen wollen einfach nur gesehen werden. Da schreit das innere Kind einfach nach Liebe und Aufmerksamkeit.”

In einigen Fällen funktioniert diese Methode, merkt sie jedoch, dass die andere Person sie nur verletzen möchte, blockiert sie den Account. Abgrenzung ist da sehr wichtig. Für Svenja ist ihr Instagram Account wie ihr kleines kuscheliges Zuhause und dort lässt sie schließlich auch nur Menschen rein, die ihr gut tun.

3. Instagram ist wie ein Schulhof

Svenja vergleicht Instagram mit einem Schulhof: Da gibt es die Großen, die schon lange da sind und wissen wie alles funktioniert. Es gibt diejenigen, die ganz neu sind, noch schüchtern und unsicher, die Klassenclowns und Entertainer und so weiter. Auf dem Pausenhof treffen dann all diese Gruppen zusammen und es wird sich befreundet, gestritten, gelästert. Am Ende des Tages ist es jedoch wichtig nach Hause zu gehen. Damit meint Svenja, dass man einen klaren Strich ziehen muss zu dem Geschehen auf Instagram und seinem Privatleben. Manche Menschen bleiben jedoch unentwegt auf diesem Pausenhof.

“Für mich ist wichtig, dass Instagram nur eine Sequenz meines Lebens ist, ich die App schließe und wieder in meinem richtigen Leben bin, dass von all dem auf Instagram nicht tangiert wird!”

Diese Distanz zu den Sozialen Medien ist enorm wichtig, meint Svenja. Wenn es um Hass im Netz geht tut es gut zu wissen, dass die Menschen die diese negativen Kommentare schreiben Dich eigentlich gar nicht kennen. Wenn man diese Abgrenzung nicht hat, nimmt man all das was auf dem “Schulhof” passiert eben mit in sein richtiges Leben und ist bei einem möglichen Shitstorm leichter anfällig für Depressionen oder suizidale Gedanken. Diesen Tipp legt Svenja allen Menschen, die in den Sozialen Medien tätig sind, besonders ans Herz.

Svenja nutzt die Sozialen Medien unermüdlich für einen guten Zweck und erreicht online mittlerweile ca. 43,5 Tausend Follower:innen. Mit ihrer sympathischen Art verschafft sie den Themen Kinderschutz, Selfcare und mentale Gesundheit mehr Gehör und macht sich gegen Hass im Netz stark. Durch ihre hohe Reichweite motiviert sie viele Menschen dazu sich für diese Themen einzusetzen.

4. So kannst Du Dich gegen Hass im Netz einsetzen

Wir haben 4 Projekte für Dich, bei denen Du dich jetzt online gegen Hass im Netz einsetzen kannst:

Unterstütze das internationale Projekt Detect then Act dabei sich gegen jegliche Hassrede im Internet einzusetzen!

Mehr zum Projekt

Helfe dem ehrenamtlichen Verein Ich bin hier und seinen bereits 45.000 Mitgliedern dabei auf Facebook organisierte Hassrede zu stoppen!

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Unterstütze den Verein Starke Demokratie e.V. dabei Online- Workshops zum Thema Hass, Bedrohung und Gewalt zu planen.

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Auf dem Foto ist eine grüne Fläche zu sehen. In weißen Großbuchstaben ist das Wort "HATE" in der Mitte der Fläche zu sehen. Um das Wort herum ist ein Kreis in pink und ein Strich, der das Wort diagonal durchstreicht.

Werde Teil der Online-Kampagne von hatefree und ermutige Betroffenen rechtlich gegen Hass im Netz vorzugehen.

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