Wie klimaschonend ist vegan?

Published On: 22.02.2022|Kategorien: Klimawandel stoppen|7,9 min read|

Vegan zu leben gilt als klimaschonender als eine vegetarische oder herkömmliche Ernährung mit Fleisch- und anderen tierischen Produkten. Das liest Du regelmäßig auf Social Media, bei veganen Influencer:innen oder in konservativen Medien. Doch wie viel kleiner ist der CO2-Fußabdruck von Veganer:innen wirklich? Erfahre in diesem Artikel, was eine vegane Ernährung tatsächlich für den Klimaschutz bewirkt, wo ihre Grenzen liegen und wie Du Dich darüber hinaus für eine lebenswerte Zukunft engagieren kannst.

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Wie vegan is(s)t Deutschland?

Auf dem Foto sind zwei Menschen zu sehen. Sie sitzen draußen an einem Tisch und essen. Die beiden lächeln. Eine Person schaut in die Kamera, die andere Person schaut die andere Person an. Im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Der Trend zur pflanzlichen Ernährung wächst stetig. Laut der jährlichen Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse, ausgewertet auf Statista, ordnen sich aktuell rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland selbst als Veganer:innen ein – mit weiter steigender Tendenz. Hinzu kommen etwa acht Millionen Vegetarier:innen sowie eine deutlich größere Gruppe von Flexitarier:innen, die ihren Fleischkonsum bewusst reduzieren.

Auch der BMEL-Ernährungsreport 2024 bestätigt den Wandel: 39 Prozent der Deutschen greifen mittlerweile häufiger zu vegetarischen oder veganen Alternativen – das sind 10 Prozentpunkte mehr als 2020. Die Beweggründe reichen von Tierwohl über Umweltschutz bis hin zur persönlichen Gesundheit. Besonders junge Menschen treiben die Veränderung an: Unter Studierenden ernähren sich nach aktuellen Erhebungen rund 7,6 Prozent vegan und etwa ein Viertel vegetarisch.

Die Verbindung zwischen pflanzlicher Ernährung und Klima ist dabei zunehmend ein zentrales Argument. Initiativen wie der Veganuary erreichten 2024 weltweit über 25 Millionen Menschen, und der Markt für pflanzliche Alternativprodukte wächst seit Jahren zweistellig. Veganismus ist also längst keine Subkultur mehr, sondern ein gesellschaftliches Phänomen.

Ist vegan gleich Klimaschutz?

Um herauszufinden, wie „grün“ Veganismus wirklich ist, hat der Ökologe Joseph Poore von der University of Oxford gemeinsam mit Thomas Nemecek 2018 eine bahnbrechende Studie im Fachjournal Science veröffentlicht. Für die Analyse werteten die Forscher Daten von 40.000 Agrarbetrieben in 119 Ländern und 40 Lebensmittelgruppen aus. Die wichtigsten Erkenntnisse zur Klimabilanz veganer Ernährung:

Insgesamt ist es schwierig, eine konkrete Zahl anzugeben, die die klimaschonenden Auswirkungen einer veganen Ernährung angibt, da die individuelle CO2-Bilanz sehr von den persönlichen Kaufentscheidungen abhängt. Das fängt schon beim Obst und Gemüse an: Veganer:innen, die mit Vorliebe Avocados und Mangos konsumieren, werden eine schlechtere CO2-Bilanz haben als solche, die nach Saisonkalender einkaufen. 

Übrigens ist eine vegane Ernährung nicht nur gut für das Klima, sondern auch für den Natur- und Artenschutz. Bei unseren Freund:innen von GoNature findest Du alle wichtigen Infos dazu.

Warum sind dann nicht alle vegan?

Auf dem Foto ist ein Schaufenster zu sehen. Im Schaufenster hängt der Schriftzug "100% VEGAN"

Die vorgestellten Zahlen klingen vielversprechend. Überspitzt formuliert könnte man fragen: Warum leben dann nicht einfach alle Menschen vegan? Diese Frage wurde als hypothetisches Zukunftsszenario bereits viel diskutiert – zum Beispiel im Zukunfts-Podcast der tagesschau oder in einem 15-minütigen Clip von Galileo.

Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Denn es gibt einige problematische Punkte, die Du bei der einseitigen Lobpreisung von Veganismus nicht vergessen solltest.

Argument 1: Veganismus ist nur eine relativ zu betrachtende Stellschraube für den Klimawandel

Denn wer beispielsweise viel fliegt oder mit dem Auto weitere Strecken pendelt, hat die Einsparungen durch eine vegane Ernährung rasch wieder aufgebraucht. Insofern kommt es immer auf den gesamten Lebensstil der einzelnen Person an, der zu einem klimaschonenden Leben führt.

Die Expertin Seraja Bock vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung relativiert daher, vegane Ernährung sei zumindest ein Einfluss. Zudem berichtet der Deutschlandfunk, dass in nicht allen Feldern mit dem verhältnismäßig geringen Aufwand einer veganen Ernährung entsprechend viel bewirkt werden kann.

Argument 2: Vegan zu leben ist ein Privileg

Problematisch ist zudem, dass Veganismus vor allem ein weißer und privilegierter Ernährungstrend ist, der junge Menschen mit hohem Umweltbewusstsein anspricht. Durch die höhere Konsumenten-Awareness sind vegane Lebensmittel meist biologisch angebaut, fair und nachhaltig. Diese Produkte einzukaufen entspricht nicht dem Lebensstandard vieler Menschen, die keine andere Wahl haben, als in Discountern kostengünstige Fleisch- und Milchprodukte zu kaufen, um sich ausgewogen zu ernähren. Das Shaming für einen hohen Fleischkonsum ist daher völlig fehl am Platz.

Argument 3: Die persönlichen Möglichkeiten für Klimaschutz sind begrenzt

Die Verantwortung für die Klimakrise lässt sich nicht allein auf Konsumierende abwälzen, die bitte bio, regional und fair einkaufen sollen. Eine Analyse des Climate Accountability Institute, ausgewertet vom Guardian, zeigt: Nur 20 fossile Konzerne sind seit 1965 für rund 35 Prozent aller weltweiten CO2- und Methanemissionen verantwortlich. Wirksamen Klimaschutz machen am Ende vor allem Politik und Wirtschaft.

Natürlich waren das nur einige der vielen Argumente rund um vegane Ernährung und Klimaschutz. Deshalb ist es wichtig, dass Du Dir noch mehr Informationen einholst – nur so kannst Du eine informierte Entscheidung treffen. Unsere Tipps für den Einstieg:

Bleib dran und engagiere Dich!

Egal, ob Du mit einer Ernährungsumstellung startest, Dich politisch engagierst oder gemeinsam mit anderen auf die Straße gehst: Du kannst aktiv werden und etwas verändern. Lass Dich zum Beispiel von Clara inspirieren, die sich Vollzeit fürs Klima engagiert – sie zeigt, wie wirkungsvoll ehrenamtlicher Einsatz für den Klimaschutz sein kann.

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