Mit dem „Ausgezeichneten-Engagement“-Siegel zeichnen wir jedes Jahr soziale Projekte aus, die vorbildliche Arbeit mit freiwilligen Helfer*innen leisten. Zu diesen Projekten zählt auch Weltweit. Wir haben das großartige Team vom Weltweit in einem Interview gefragt, was ausgezeichnetes Engagement für sie ausmacht und warum ein Engagement bei Weltweit besonders bereichernd ist.

Erzählt uns kurz über Eure Organisation. Was macht Ihr? Wie viele freiwillige Helfer*innen engagieren sich bei Euch?

Weltweit ist die Freiwilligengruppe von Asyl in der Kirche Berlin-Brandenburg e.V. 2010 gegründet, engagieren sich bei uns mittlerweile ca. 50 Ehrenamtliche kontinuierlich beim Deutschunterricht, sie begleiten Geflüchtete durch ihren Alltag: sie gehen mit zu Ämtern, Ärzten, Behörden, sie helfen beim Ausfüllen von Formularen, suchen Wohnungen, Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, KiTas, Freizeitangebote für Kinder etc. etc. Für viele Geflüchtete sind sie der sichere Anker in einer fremden Umgebung geworden. 

Ein kontinuierliches Deutschkursangebot von A0 – B1 bietet weltweit seit fünf Jahren in der Flüchtlingskirche in Berlin-Kreuzberg an. Der Unterricht wird flexibel gestaltet, um auf die Bedürfnisse der Lernenden eingehen zu können. Hierzu gehören auch Alphabetisierung, Nachhilfeunterricht, Vorbereitung auf Prüfungen  sowie die Betreuung unbegleiteter Jugendlicher. Einmal wöchentlich findet das Sprachcafé statt. Stadtgänge und Besichtigungen in Berlin ergänzen die Kommunikation, das Kennenlernen und das Miteinandersein.

Weltweit ist mit anderen Organisationen in Berlin vernetzt, bietet Hospitationen und – in Kooperation mit Asyl in der Kirche und der Flüchtlingskirche – Weiterbildungen an. Ein Austausch mit anderen Sprachinitiativen sichert eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit methodisch / didaktischen Themen. Unsere monatlichen Treffen dienen dem Austausch, der gegenseitigen Hilfe und Unterstützung. 

Zwei monatliche Rundbriefe versorgen nicht nur die ca. 50 aktiven Helfer*innen mit Informationen und Angeboten rund um die Themen Flucht und Asyl, sondern auch die ca. 150 Interessierten, die wir in unserem Verteiler haben. Viele Menschen engagieren sich bei uns ausschließlich punktuell, vielleicht ein- oder zweimal im Jahr, wenn es bspw. darum geht, Menschen zum Amt zu begleiten oder etwas zu übersetzen.

Was kann man als Helfer*in bei Euch machen?

Deutschunterricht, Begleitung Geflüchteter sowie Koordination / Organisation: 

Bei uns engagieren sich professionelle Deutschlehrer*innen als auch Laien. Viele von uns haben unterschiedliche Lehrerfahrungen, viele haben aber auch noch nie unterrichtet. Genauso wichtig wie eine passende Ausbildung sind Flexibilität, interkulturelle Kompetenz und Geduld. Durch Hospitationen und Weiterbildungen fühlen sich alle in der Lage, Deutschkenntnisse zu vermitteln. Der Unterricht wird auf unterschiedlichen Sprachniveaus von Grundkenntnissen bis hin zu fortgeschritteneren Kenntnissen angeboten. So kann sich jede*r dort engagieren, wo er / sie sich am wohlsten bzw. sichersten fühlt. Der zeitliche Aufwand orientiert sich an dem Zeitbudget, das Ehrenamtliche zur Verfügung stellen möchten: das Minimum sind zwei Stunden (+ Fahrzeiten) – nach oben gibt es kein Limit. Aber wir achten darauf, dass Ehrenamtliche sich nicht überfordern. 

Die Begleitung Geflüchteter ist kein Beruf. In diese Aufgaben wächst man hinein. Die Aufgaben stellen sich durch die jeweiligen Situationen der Menschen, die wir betreuen. Manchmal ist es ausreichend, sich alle paar Wochen zu treffen, zu sprechen, Fragen zu beantworten. Manche Menschen brauchen eine engmaschigere Betreuung und Begleitung für all die Formbriefe, Anträge, Formalien, die unsere Bürokratie und Verwaltung bereithalten. 

Koordination und Organisation sind wichtige Aufgaben, um den weltweit-Aktiven und –Interessierten kontinuierlich Informationen zu geben, um den Deutschunterricht und die monatlichen Treffen zu organisieren, um neue Engagierte zu gewinnen, um Veranstaltungen anderer Initiativen zu besuchen, sich auszutauschen, sich politisch zu engagieren, die Vernetzung voranzutreiben. 

Was ist für Euch der Schlüssel zu guter Kommunikation mit freiwilligen Helfer*innen?

Unsere Angebote sind niedrigschwellig. Alle Kompetenzen und Interessen von Ehrenamtlichen sind willkommen und werden nach Möglichkeit in unseren Aktivitätenkatalog eingebaut.  

Wir begleiten neue Ehrenamtliche, stehen für Fragen und Unterstützung zur Seite. 

Erreichbarkeit ist wichtig, schnelle Reaktion auf Anfragen, Hilfe bzw. Weiterleitung an kompetente Partner*innen bei schwierigen Sachverhalten.

Bei unseren monatlichen Treffen tauschen wir uns aus über Erlebtes, geben Rat und Rückhalt. Auch der Austausch über mögliche Überforderungen ist wichtig: Nähe und Distanz im Ehrenamt wollen gelernt sein, eingeübt werden.

Unsere Kommunikationsstrukturen haben wir in den letzten zehn Jahren kontinuierlich verbessert, ein gemeinsames Leitbild entwickelt, unsere Vernetzung gezielt vorangetrieben.

Wir sind und bleiben neugierig: Neue sind uns immer willkommen! Bewährtes bewahren wir!

Wie arbeitet Ihr zielorientiert und gebt den Helfer*innen gleichzeitig die Möglichkeit sich flexibel zu engagieren?

In jährlichen Zukunftsworkshops vereinbaren wir Ziele, die wir gemeinsam umsetzen – so ist u.a. unser Leitbild entstanden, in dem sich alle wiederfinden. Oder die Information und Ansprache neuer Lehrer*innen wurden verbessert: hier haben wir Handreichungen entwickelt, um einen schnelleren Einstieg in den Unterricht zu gewährleisten. Für dieses Jahr haben wir uns vorgenommen, uns stärker um die Gewinnung junger Menschen für das Ehrenamt zu kümmern. 

Flexibilität wird bei uns groß geschrieben. Viele von uns pausieren ab und an – sei es, um Urlaub zu machen, oder sich verstärkt um Kinder-/ Enkelkinder zu kümmern. Studierende bekommen einen neuen Unterrichtsplan, müssen ihren Stundeneinsatz reduzieren, Einsatztage ändern. Engagement soll bereichern und nicht belasten! 

Der Austausch und die gegenseitige Hilfe haben bei uns einen hohen Stellenwert. Nicht Entlastung des Staates durch Ehrenamt steht bei uns im Vordergrund, sondern das Ziel ist eine persönlich erfüllende Aktivität.

Immer mehr Menschen wollen sich freiwillig für einen guten Zweck engagieren. Welche Entwicklung würdet Ihr Euch für die Zukunft des Ehrenamts wünschen?

Ein starkes Ehrenamt benötigt ein starkes Hauptamt, also eine Organisation „im Rücken“, die behilflich ist, Anträge zur Finanzierung zu stellen, Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, auch mal mit Rat und Tat oder der Herstellung von Kontakten zu helfen. Politisch wünschen wir uns, dass ehrenamtliches Engagement stärker gewürdigt wird, durch die Bereitstellung von Finanzmitteln, durch eine Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Ehrenamt, Politik und Verwaltung, durch die Anerkennung, dass ehrenamtliches Engagement unsere Gesellschaft zusammenhält, dass sie der Garant für eine lebendige Demokratie und Teilhabe ist.

Wieso sollte ein Ehrenamt jeden interessieren?

Weil unsere demokratische Gesellschaft Einflussnahme und Mitarbeit ihrer Bürger braucht.

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