Vegan zu leben ist klimaschonender als eine vegetarische oder herkömmliche Ernährung mit Fleisch- und anderen tierischen Produkten. Das liest man in regelmäßigen Abständen auf Social Media Kanälen, bei veganen Influencer:innen oder auch in den konservativen Medien und Zeitschriften. Doch wie viel kleiner ist der CO2-Fußabdruck von Veganer:innen wirklich? Erfahre hier spannende Fakten, wie vegan zu leben zum Klimaschutz beiträgt und welche Probleme eine einseitige Sicht auf Veganismus mit sich bringt.

Wie vegan is(s)t Deutschland?

Der vegane Ernährungstrend bricht nicht ab, im Gegenteil. Mit jedem Jahr kommen mehr Verganer:innen dazu: Im Jahr 2020 lag allein in Deutschland die Zahl der vegan lebenden Menschen bei 1,13 Millionen, so das Statistische Bundesamt. Damit lebten 180.000 Personen mehr als im Vorjahr vegan. Die Beweggründe für eine vegane Ernährung reichen vom Klimaschutz, über das Tierwohl oder die persönliche Gesundheit. 2019 gaben etwa 83,9 Prozent in einer Umfrage an, ihre Entscheidung für eine vegane Ernährung aufgrund der Umweltverträglichkeit getroffen zu haben.

Ist vegan gleich Klimaschutz?

Um herauszufinden, wie “grün” Veganismus wirklich ist, hat der Ökologe Joseph Poore von der britischen Universität Oxford im April 2019 den CO2-Fußabdruck einer in Deutschland lebenden, veganen Person berechnet. Wir stellen Dir im Folgenden einige Zahlen der Studie vor:

Veganer:innen haben eine 2 Tonnen geringere Treibhausgasbilanz. Durchschnittlich produziert ein:e Deutsche:r pro Kopf und pro Jahr elf Tonnen Treibhausgase. Mit einer veganen Ernährung reduziert sich dieser Wert auf neun Tonnen pro Jahr.

2 Tonnen Treibhausgase entsprechen circa acht innereuropäischen Economy-Class-Flügen. Diese Summe geht laut dem SPIEGEL vor allem darauf zurück, dass für eine vegane Ernährung weniger Agrarland beansprucht wird. Dadurch ist mehr Naturfläche verfügbar, auf der Bäume wachsen können, die wiederum CO2 binden.

Ein enorm großer Teil der vom Menschen verursachten Treibhausgase ist das CO2. Aber auch andere Gase wie Methan oder Lachgas tragen – wenn emittiert – zum Anstieg der Treibhausgasbilanz bei. Methan hat beispielsweise 21 mal mehr Erderwärmungspotenzial als CO2. Mit einer veganen Ernährungsweise werden 670 Kilogramm CO2 eingespart.

Um so viel lässt sich der CO2-Fußabdruck eines Menschen mit einer veganen Ernährungsweise reduzieren.

Insgesamt ist es schwierig, eine konkrete Zahl anzugeben, die die klimaschonenden Auswirkungen einer veganen Ernährung angibt, da die individuelle CO2-Bilanz sehr von den persönlichen Kaufentscheidungen abhängt. Das fängt schon beim Obst und Gemüse an: Veganer:innen, die mit Vorliebe Avocados und Mangos konsumieren werden eine schlechtere CO2-Bilanz haben als solche, die nach Saisonkalender einkaufen. 

Du möchtest mehr darüber erfahren, wie vegane Ernährung den Natur- und Artenschutz unterstützt? Hier > findest Du alle wichtigen Informationen.

Warum sind dann nicht alle vegan?

Die vorgestellten Zahlen klingen nichtsdestotrotz vielversprechend. Überspitzt formuliert könnte man sich die Frage stellen: warum leben nicht einfach alle vegan und ein großer Teil des Klimaproblems wäre gelöst? Diese Frage wurde als hypothetisches Zukunftsszenario bereits viel diskutiert:  “Alle essen vegan? Was dann?” fragt beispielsweise der Zukunfts-Podcast der tagesschau und Galileo sendete einen 15-minütigen Clip zur veganen Utopie.

Es müssen jedoch einige problematische gesellschaftliche Punkte der Lobpreisung von Veganismus beachtet werden.

1. Veganismus ist nur eine relativ zu betrachtende Stellschraube für den Klimawandel

Denn wer beispielsweise viel fliegt oder mit dem Auto weitere Strecken pendelt hat die Einsparungen durch eine vegane Ernährung rasch wieder aufgebraucht. Insofern kommt es immer auf den gesamten Lebensstil der Einzelnen an, der zu einem klimaschonenden Leben führt.

Die Expertin Seraja Bock vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung relativiert daher, vegane Ernährung sei zumindest ein Einfluss. Zudem berichtet der Deutschlandfunk, dass in nicht allen Feldern mit dem verhältnismäßig geringen Aufwand einer veganen Ernährung so viel bewirkt werden kann.

2. Vegan zu leben ist ein Privileg

Problematisch ist zudem, dass Veganismus vor allem ein weißer und privilegierter Ernährungstrend ist, der junge Menschen mit hohem Umweltbewusstsein anspricht. Durch die höhere Konsumenten-Awareness sind vegane Lebensmittel meist biologisch angebaut, fair und nachhaltig. Diese Produkte einzukaufen entspricht nicht dem Lebensstandard vieler Menschen, die keine andere Wahl haben, als in Discountern kostengünstige Fleisch- und Milchprodukte zu kaufen, um sich ausgewogen zu ernähren. Das Shaming für einen hohen Fleischkonsum ist dann völlig fehl am Platz.

3. Die persönlichen Möglichkeiten für Klimaschutz sind begrenzt

Die Verantwortung für mehr Klimaschutz darf nicht nur auf die Konsumierenden abgewälzt werden, die bitte bio, regional und fair einkaufen. Und idealerweise nur mit der Bahn fahren.

Denn es sind vor allem große Unternehmen und Regierende, die wirksame Politik für mehr Klimaschutz betreiben müssen. Wusstest Du beispielsweise, dass nur 20 Firmen für ein Drittel der weltweiten CO2- und Methan-Emissionen seit 1965 verantwortlich sind?

Neben persönlichen Konsumentscheidungen ist es daher genauso wichtig, sich für mehr politische Bewegung in Richtung Klimaschutz einzusetzen. Du kannst Dich beispielsweise in Natur- und Klimaschutz-Organisationen engagieren.

Vegan ist nicht Dein Ding?

Vegane Ernährung ist Dir nicht genug oder ist eher nicht so Dein Ding? Du kannst Dich auch noch anders für den Klimaschutz einsetzen! Bei diesen drei Projekten setzt Du Dich aktiv gegen die Klimakrise ein! 

Klimacamp Nürnberg

Das Klimacamp Nürnberg ist eine Dauermahnwache, mit der auf die katastrophale Bedrohung durch den von Menschen verursachten Klimawandel hingewiesen wird. 

Das Klimacamp veranstaltet  wöchentlich eine Reihe von spannenden Vorträgen, Workshops und Aktionen.

Mehr Infos zum Projekt findest Du hier >.

Göttingen klimaneutral

Du hast Lust, Dich für ein klimaneutrales Göttingen einzusetzen und hast ein bisschen bis ganz viel Zeit? Dann melde dich bei GöttingenZero!

Interessiert? Melde Dich hier > direkt für das Projekt an.

Klimaliste Düsseldorf

Die Klimalisten sind ein dezentraler Zusammenschluss von Wissenschaftler:innen, Studierenden, Eltern, Azubis, Angestellten, Unternehmer:innen und im Klimaschutz engagierten Bürgerinnen und Bürgern.

Hier > findest Du weitere Infos zum Projekt.

Lust auf noch mehr Engagement?

Du möchtest Dich nicht nur vegan ernähren oder das ist nicht so Dein Ding? Keine Sorge auf GoVolunteer.com findest Du viele tolle Projekte in verschiedenen Bereichen!

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