Not in Moria: Geflüchteten in Griechenland helfen
2020 brannte Moria nieder – Europas größtes Geflüchtetenlager, in dem über 12.000 Menschen lebten, darunter 4.000 Kinder. Die Erschütterung war weltweit zu spüren, und die EU reagierte mit einem klaren Versprechen: „No more Moria.“ Doch heute dominieren andere Krisen die Schlagzeilen, während die Situation in den Geflüchtetenlagern in Griechenland kaum besser geworden ist.
Das Problem: Die Menschen an der europäischen Außengrenze geraten in Vergessenheit – obwohl sie nach wie vor dringend auf Unterstützung angewiesen sind. Illegale Push-Backs, gefängnisähnliche Camps und fehlende Grundversorgung prägen den Alltag der Schutzsuchenden bis heute. In diesem Artikel erfährst Du, was nach dem Moria Brand wirklich passiert ist, wie die Lage heute aussieht und wie Du Geflüchtete in Griechenland ganz konkret unterstützen kannst – durch Ehrenamt vor Ort, Spenden an Hilfsorganisationen oder Öffentlichkeitsarbeit in Deinem Alltag.
Werde aktiv und unterstütze Menschen auf der Flucht oder beim Neustart in Deutschland.
Was ist in Moria passiert?
Das ehemalige Geflüchtetenlager Moria lag auf der griechischen Insel Lesvos, nahe der türkischen Grenze. Obwohl das Lager ursprünglich für rund 3.000 Menschen ausgelegt war, lebten dort zeitweise bis zu 20.000 Menschen unter katastrophalen Bedingungen. Familien, Kinder und Einzelpersonen hausten in selbstgebauten Hütten und Zelten – schutzlos gegenüber Regen, Kälte und Hitze. Endlose Warteschlangen für Nahrungsmittel, unzureichende Hygiene und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten prägten den Alltag. So warteten Menschen monatelang, teils jahrelang, auf ein Asylverfahren und die Weiterreise aufs Festland.
Mit Beginn der Corona-Pandemie verschärften sich Spannungen und Frustration. Die erdrückenden Lebensbedingungen und die Hoffnungslosigkeit des langen Wartens entluden sich schließlich am 8. September 2020 in einem verheerenden Brand, der das Lager nahezu vollständig zerstörte. 12.600 Menschen verloren ihre verbliebenen Habseligkeiten und standen ohne Obdach da. Ein Teil der Schutzsuchenden wurde aufs Festland gebracht; für die anderen entstand ein provisorisches Camp an der Küste, das unter dem Namen Kara Tepe – oder schlicht „Moria 2″ – bekannt wurde. Der Moria Brand wurde zum Symbol für das Scheitern der europäischen Asylpolitik und löste weltweit Forderungen nach grundlegenden Reformen aus.

Wie ist die Lage heute?
Nach dem Brand kündigte die EU an, die Lebensbedingungen in den griechischen Geflüchtetenlagern grundlegend zu verbessern. 276 Millionen Euro sollten in fünf neue Aufnahmelager auf den Inseln Chios, Kos, Leros, Samos und Lesvos fließen. Das Ziel: menschenwürdige Unterbringung nach EU-Standards. Das Ergebnis laut verschiedenen Recherchen: Lager mit hohen Mauern, Stacheldraht, Ausgangssperren und 24-Stunden-Videoüberwachung – Einrichtungen, die eher an Gefängnisse erinnern als an eine menschenwürdige Unterkunft. Für Menschen, die Gewalt und Verfolgung erlebt haben, können solche Strukturen retraumatisierend wirken und entsprechen in keiner Weise den versprochenen Grundrechten.
Hinzu kommt eine weitere humanitäre Krise: Schutzsuchende werden auf dem Weg zu den griechischen Inseln immer häufiger Opfer von illegalen Push-Backs. Sowohl die griechische Küstenwache als auch die europäische Grenzschutzbehörde Frontex stehen im Verdacht, ankommende Menschen zurückzudrängen, ohne ihnen die Möglichkeit zur Asylantragstellung zu geben – ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht. Griechenland meldete, allein in einem Jahr über 150.000 Personen die Einreise verwehrt zu haben. Videos und Berichte dokumentieren dabei ein brutales Vorgehen: Erniedrigungen, Gewalt und erzwungene Rückkehr in Schlauchbooten. Die europäische Außengrenze ist heute mehr denn je ein Ort, an dem Grundrechte systematisch verletzt werden.
Ehrenamt: So hilfst Du vor Ort
Trotz all dieser Missstände kommen täglich Menschen auf den griechischen Inseln an. Viele Organisationen leisten vor Ort unverzichtbare Arbeit – in den Camps und in umliegenden Städten. Freiwilligenarbeit in Griechenland ist eine der direktesten Formen, um Geflüchteten zu helfen: Du bist vor Ort, siehst den Bedarf mit eigenen Augen und wirkst unmittelbar. Hier sind drei Projekte, bei denen Du aktiv werden kannst:

Engagiere Dich bei örtlichen Hilfsorganisationen
Medical Volunteers International kümmert sich um die medizinische Grundversorgung von Geflüchteten und versorgt monatlich rund 4.000 Patient:innen in Athen, Thessaloniki und Lesvos. Wenn Du einen medizinischen Hintergrund mitbringst – als Mediziner:in, Medizinstudent:in, Krankenpfleger:in oder Dolmetscher:in – kannst Du Dich hier direkt einbringen.
Home for All ist eine griechische NGO auf Lesvos, die sich mit viel Liebe und Unterstützung um die Geflüchteten vor Ort kümmert. Das Team verteilt Kleidung und Hygieneartikelorganisiert Essensausgaben und bietet Lernprojekte für Geflüchtete an. Freiwilligenarbeit bei “Home for All” bedeutet, mit vielen Freiwilligen zusammenzuarbeiten, um die Menschen vor Ort mit Essen und Fürsorge zu unterstützen. Du kannst Teil der Organisation werden!
Die Initiative Samos Volunteers bietet Geflüchteten psychosoziale Unterstützung, verschiedene Bildungsangebote und Hygieneartikel. Ziel der Organisation ist es, Menschen auf der Flucht etwas Normalität zurückzugeben. Als Volunteer kannst Du in verschiedenen Bereichen aktiv werden – es werden zum Beispiel Englisch und Deutsch Lehrer:innen, Koordinator:innen oder Bewerbungshelfer:innen benötigt. Melde Dich jetzt!
Weitere Möglichkeiten für Ehrenamt für Geflüchtete findest Du auf der Website von Respekt für Griechenland. Engagierst Du Dich lieber in Deutschland, schau Dir an, wie Du Geflüchtete hierzulande unterstützen kannst – oder lies nach, was Integration, Assimilation und Inklusion in der Praxis bedeuten.

Spenden für Geflüchtete in Griechenland
In den Geflüchtetenlagern in Griechenland fehlt es an allem, was zu einem menschenwürdigen Leben gehört: Nahrungsmittel, medizinische Versorgung, Kleidung und vieles mehr. Mit Geldspenden ermöglichst Du Hilfsorganisationen, genau die Ressourcen bereitzustellen, die vor Ort am dringendsten gebraucht werden. Diese vier Organisationen setzen Deine Unterstützung für Geflüchtete direkt und wirkungsvoll ein:
Gib Geflüchteten eine Stimme!
Menschen auf der Flucht haben häufig weder die Kraft noch die Mittel, ihr Leid öffentlich zu machen und bessere Bedingungen einzufordern. Solidarität bedeutet deshalb auch: für sie sichtbar werden, auf Missstände aufmerksam machen und im eigenen Umfeld Haltung zeigen. Wer dabei auch gegen Diskriminierung im Alltag vorgehen möchte, findet in unserem Artikel 8 Tipps, wie Du Dich gegen Rassismus engagieren kannst konkrete Ansätze. Hier sind fünf Wege, mit denen Du jetzt aktiv werden kannst:

Informiere Dich über Moria
Die mediale Berichterstattung über die Geflüchtetenlagern in Griechenland hat deutlich nachgelassen. Damit die Menschen dort nicht in Vergessenheit geraten, haben wir Podcasts, Dokumentationen und Berichte zusammengestellt, die die Lebensrealität vor Ort zeigen. Denn um für Menschen einzutreten, müssen wir die Augen offenhalten.
Werde jetzt aktiv!
Auch Jahre nach dem Moria Brand leben Schutzsuchende in Griechenland unter Bedingungen, die grundlegende Menschenrechte verletzen. Es liegt an uns, weiterhin hinzusehen, zu unterstützen und laut zu sein – denn schweigen bedeutet, diese Zustände zu dulden. Ob durch Ehrenamt für Geflüchtete vor Ort, eine Spende an Hilfsorganisationen oder das Engagement in einer Lokalgruppe: Jeder Beitrag zählt, und gemeinsam können wir etwas bewegen.
Du möchtest Dich auch für Menschen in anderen Krisenregionen einsetzen? In unserem Artikel zu Hilfe für Afghanistanerfährst Du, wie Du dort aktiv werden kannst.
Finde jetzt Dein Wunsch-Ehrenamt auf GoVolunteer und starte Dein Engagement für Geflüchtete noch heute! Mit dem Wunsch-Ehrenamt-Tool findest Du Projekte, die genau zu Deinen Interessen und Möglichkeiten passen – online oder in Deiner Stadt. Auf GoVolunteer warten viele Projekte rund um Geflüchtete, Integration und Solidarität auf Dich.
Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass „No more Moria“ nicht nur ein Versprechen bleibt.

