So rufst Du den Kältebus für Menschen ohne Obdach
Nach einem milden Oktober sind nun auch in Deutschland die Minusgrade angekommen. Die kalten Temperaturen sind für Menschen auf der Straße lebensgefährlich. Laut Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W, Stand 2025) leben etwa 56.000 Menschen ohne jede Unterkunft auf Deutschlands Straßen. Hinzu kommen rund 372.000 Menschen in Wohnungslosigkeit, die vorübergehend bei Freund:innen, in Notunterkünften oder Übergangswohnungen unterkommen. Aufgrund der schwierigen finanziellen Lage vermuten viele Organisationen, dass dieses Jahr noch mehr Menschen auf der Straße leben. Der Winter ist besonders für diese Menschen eine harte Zeit. Doch wie viele obdachlose Menschen sterben an Kälte? Allein in Hamburg starben im Januar 2026 bereits 15 obdachlose Menschen – deutlich mehr als in den Vorjahren zur gleichen Zeit. Das sind die offiziell gemeldeten Fälle, die Dunkelziffer wird weitaus höher geschätzt. Verschließ Deine Augen nicht und biete Menschen Deine Hilfe an! Ruf zum Beispiel den Kältebus!
Wie das geht und wie Du Dich sonst noch für Menschen helfen kannst, erfährst Du hier:
Wie Kältebusse Menschen ohne Obdach helfen
Kältebusse retten Leben. Jedes Jahr sterben in Deutschland Menschen auf der Straße an den Folgen von Kälte – die offiziellen Zahlen sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Viele Obdachlose leben versteckt und fallen durch jedes Raster.
Der Unterschied: Wohnungslosigkeit vs. Obdachlosigkeit
Es ist wichtig, zwischen Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit zu unterscheiden: Menschen in Wohnungslosigkeit haben keinen festen Wohnsitz, aber oft temporäre Unterkünfte. Menschen ohne Obdach hingegen leben tatsächlich auf der Straße – ohne jede Unterkunft. Beide Gruppen sind im Winter gefährdet, aber Menschen ohne Obdach sind unmittelbar lebensbedrohlichen Temperaturen ausgesetzt. Mehr dazu erfährst Du in unserem Artikel über den Unterschied zwischen Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit.
Was leistet der Kältebus konkret?
Kältebusse sind mobile Teams, die im Rahmen des Winternotprogramms durch Städte fahren und Menschen ohne Obdach versorgen. Sie bieten nicht nur warme Getränke und Schlafsäcke, sondern auch mobile Sozialarbeit: Die Mitarbeitenden – oft vom DRK, der Berliner Stadtmission oder den Johannitern – bauen Vertrauen auf und vermitteln längerfristige Hilfe.
Viele Menschen ohne Obdach nehmen keine stationären Hilfsangebote wahr, weil sie Angst vor Bürokratie haben, psychische Erkrankungen oder Suchtprobleme vorliegen. Der Kältebus kommt zu ihnen – niedrigschwellig, ohne Vorbedingungen, ohne Zwang. Das rettet Leben.
Wann fährt der Kältebus und kostet er Geld?
Die meisten Kältebusse fahren zwischen November und März, hauptsächlich abends und nachts – genau dann, wenn die Temperaturen am gefährlichsten sind. Die genauen Zeiten variieren je nach Stadt. Der Service ist für Menschen ohne Obdach vollkommen kostenlos und wird über städtische Winternotprogramme sowie Spenden finanziert. Auch wenn Du den Kältebus für jemand anderen rufst, entstehen keine Kosten.
Kann ich beim Kältebus mitfahren?
Ja! Viele Organisationen suchen ehrenamtliche Helfer:innen für ihre Kältebusse. Du kannst Dich bei lokalen Trägern wie der Stadtmission, dem Deutschen Roten Kreuz oder anderen Wohlfahrtsverbänden engagieren. Meistens gibt es eine kurze Einführung, bevor Du mitfahren darfst. Mehr zu langfristigem Engagement findest Du im nächsten Kapitel.
So rufst Du den Kältebus – 3 Steps
Wenn Du eine Person siehst, die eventuell Hilfe benötigt, schau nicht weg, sondern komm mit der Person ins Gespräch. Wenn die Person das möchte, kannst Du den Kältebus rufen! In unseren 3 Steps erfährst Du, wie das geht und was Du dabei beachten solltest. Außerdem findest Du bei Step 3 wichtige Telefonnummern, unter denen Du Kältebusse in Deiner Nähe erreichen kannst. Informier Dich jetzt, welche Angebote für die Kältehilfe es in Deiner Stadt gibt!
Step 1: Verschaff Dir einen Überblick über die Situation
Schau nach, ob die Person ansprechbar ist und sich in einer Notlage befindet. Ganz wichtig: Rufe sofort 112 an, wenn es sich um einen medizinischen Notfall handelt! Kältebusse sind als Unterstützung gedacht und keine Notfall-Medizin-Teams. Sie leisten mobile Sozialarbeit und versorgen Menschen ohne Obdach mit dem Nötigsten.
Step 2: Frag nach, ob Hilfe gewollt ist
Wenn es Dir möglich ist, frag nach, ob die Person überhaupt Hilfe möchte. Menschen ohne Obdach können selbst am besten einschätzen, ob sie Unterstützung benötigen und annehmen möchten. Indem Du nachfragst, zeigst Du den Menschen Deinen Respekt und kannst gleichzeitig die Teams der Kältebusse bei ihrer Planung unterstützen. Diese Wertschätzung ist ein wichtiger Teil der Obdachlosenhilfe.
Step 3: Ruf den Kältebus
Kältebusse gibt es mittlerweile in vielen deutschen Städten. Die Teams fahren im Winter meist abends und nachts durch die Städte und kommen mit Menschen ohne Obdach ins Gespräch. Sie bieten zum Beispiel heiße Getränke, warme Kleidung, einen Ort zum Aufwärmen oder warme Schlafsäcke. Du kannst den Teams Bescheid sagen, wo ihre Unterstützung gebraucht wird.
Kältebus-Hotline:
Kältebus Augsburg: 0821 50808030 (Kältebus SKM, 20:00 – 22:00 Uhr)
Kältebus Berlin: 030 690 333 690 / 030 600 300 1010 (Stadtmission, 20:00 – 2:00 Uhr / DRK Berlin, 18:00 – 24:00 Uhr)
Kältebus Düsseldorf: 01578 3505152 (gutenachtbus, 21.00 – 01.00 Uhr)
Kältebus Frankfurt a. M.: 069 43 14 14 (Frankfurter Kältebus, 21:30 – 5:00 Uhr)
Kältebus Hamburg: 0151 / 65 68 33 68 (Kältebus CaFée mit Herz, 19:00 – 24:00 Uhr)
Kältebus Köln: 0221 259 74 244 oder 0176 240 71 312 (Kältebus Freunde der Kölner Straßen)
Kältebus Leipzig: 0152 33661087 (Kältebus Stadt Leipzig, 18:00 – 23:00 Uhr)
Kältebus Ulm: 0171 2991898 (Kältebus DRK Ulm, 19:00 – 22:30 Uhr)
Kältebus Mainz/ Kältebus Wiesbaden: 0163 6867137 (Verein zur Förderung sozial und gesundheitlich benachteiligter Menschen)
Kältebus Stuttgart: 0711 21954776 (Kältebus DRK Stuttgart, 22:00 – 02:00 Uhr)
Sidenote: Wir versuchen, diese Liste up-to-date zu halten und kontinuierlich zu erweitern. Du kannst uns dabei helfen! Schreib uns gerne eine Mail an info@govolunteer.com, falls Du eine Telefonnummer kennst, die wir hier nicht gelistet haben. Vielen Dank!
Weitere Kältehilfe im Winter
Neben dem Kältebus gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, Menschen ohne Obdach und Bedürftigen zu helfen, den Winter zu überleben. Wo können Menschen ohne Obdach im Winter schlafen? Wo kannst Du Winterbekleidung spenden? Wir zeigen Dir eine Übersicht an Winterhilfe-Angeboten, die diese Fragen beantworten.
Winterhilfe mit Sachspenden leisten: Gabenzäune
Gabenzäune gibt es bundesweit verteilt. Du hörst zum ersten Mal davon? Die solidarische Idee hinter den Gabenzäunen ist es, bedürftige Menschen in der eigenen Nachbarschaft mit lebensnotwendigen Artikeln zu versorgen. Du kannst Lebensmittel, Hygieneartikel oder warme Kleidung in einer Tüte verpackt an einen der Zäune hängen, an dem Menschen ohne Obdach diese Sachspende abholen können. Das Ganze erfolgt anonymisiert, was die Situation für viele bedürftige Menschen erleichtert.
Das Konzept ist zu Zeiten der Coronakrise entstanden, bei der Kontaktpunkte minimiert werden sollten. Auch weiterhin kann so Infektionsketten entgegengewirkt werden. Du möchtest Deine Sachspende auch an einen Gabenzaun hängen? Hier findest Du eine Ortsübersicht aller Gabenzäune in ganz Deutschland.
Notunterkünfte im Winter: Bahnhofsmission
Die Bahnhofsmission steht mit über 2000 ehrenamtlichen Helfer:innen an über 200 Bahnhöfen deutschlandweit Menschen zur Seite, die in schwierigen Zeiten eine Notübernachtung oder Übernachtungsmöglichkeit suchen. Sie dient als Anlauf-, Ersthilfe- oder Weitervermittlungsstelle im Rahmen des Winternotprogramms vieler Städte.
Bedürftige Menschen erhalten sofortige, kostenlose Hilfe ohne jegliche Voranmeldung – ob hungrig, verletzt oder in Wohnungslosigkeit. Die Mitarbeitenden bieten existenzielle und psychologische Beratung und suchen gemeinsam mit den Betroffenen nach Lösungswegen in ihren Notlagen. Frage Menschen an Bahnhöfen, ob Du für sie die Bahnhofsmission kontaktieren sollst, begleite sie und verhelfe ihnen bei diesem wichtigen Schritt.
Es ist zudem möglich, an einigen Standorten Kleiderspenden und Sachspenden abzugeben. Ebenso kannst Du die Arbeit der sozialen Einrichtung mit einer finanziellen Spende unterstützen.
Obdachlosen in Berlin helfen: Kältehilfe-App
Du bist aus Berlin und möchtest Menschen ohne Obdach im Winter in Deiner Stadt schützen? Die kostenlose Kältehilfe-App ist ein Angebot der Berliner Kältehilfe, um Hilfsangebote für bedürftige Menschen in Berlin zu bündeln und leichter zu finden. Wenn Du einem Menschen ohne Obdach auf der Straße begegnest, frage ihn, welche Hilfe er benötigt und recherchiere das passende Hilfsangebot via App.
So kannst Du beispielsweise Notunterkünfte in der Nähe, Essensausgaben, Duschmöglichkeiten und mehr in direkter Umgebung ausfindig machen. Ebenso bietet die App die Option, direkten Kontakt zu Einrichtungen herzustellen oder mobile Hilfe wie den Kältebus rufen. Lad Dir die App schnell runter und biete Schutz für bedürftige Menschen aus Deiner Umgebung.
3 Beispielprojekte zur Unterstützung von Menschen ohne Obdach

Neben der akuten Hilfe gibt es viele Möglichkeiten, wie Du Dich langfristig für Menschen ohne Obdach engagieren kannst. Du kannst zum Beispiel Menschen in einer Notunterkunft willkommen heißen, warme Speisen zubereiten und verteilen, selbst mit einem Kältebus mitfahren oder Menschen bei der Wohnungssuche zur Seite stehen. Unterstütze beispielsweise eine dieser Organisationen:
Hilf Menschen in Wohnungslosigkeit beim Zugang zu digitalen Angeboten. Unterstütze bei der Nutzung von Smartphones, Apps und Online-Diensten – für mehr Teilhabe und Selbstständigkeit.
Bereite warme Mahlzeiten zu und verteile sie an Menschen ohne Obdach. Mit Deinem Engagement sorgst Du dafür, dass niemand hungrig durch den Winter gehen muss.
Der SkF bietet Frauen Wohnmöglichkeiten an. Werde jetzt aktiv und hilf durch Dein Engagement Frauen in Notsituationen!
Finde Dein langfristiges Engagement!
Wie Du siehst gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, wie Du Menschen ohne Obdach im Winter unterstützen kannst. Das wichtigste dabei: Schau nicht weg und komm mit betroffenen Menschen ins Gespräch!
Wenn Du mehr über ein Engagement im Bereich Obdachlosigkeit erfahren willst, schau am Besten bei der Volunteer Story von Birgit vorbei. Birgit engagiert sich nachts beim Strassenfeger e.V. und erzählt im Interview, was sie an ihrem Engagement mag und wie Du selbst dort aktiv werden kannst.
Auf GoVolunteer.com findest Du noch viele weitere Mitmach-Projekte, mit denen Du Dich zum Beispiel für ein Ehrenamt mit Kindern oder für Senior:innen in Deiner Stadt einsetzen kannst.



